Erbarmen. Wer schützt vor Feuilletonisten, die ihre Ignoranz wie eine Monstranz vor sich hertragen? Thomas Gross schreibt über den chinesischen Rockmusiker Cui Jian, der augenblicklich durch Europa tourt, und scheint mächtig stolz darauf, kein Sinologe zu sein. Jedenfalls distanziert er sich in seinem Beitrag gleich zweimal von dieser unnützen Zunft, die den engagierten Künstler immer wieder mit Fragen nach Tiananmen et cetera nerve.

Er hingegen belästigt Cui Jian nicht mit vermeintlich dummen Fragen, sondern betet hauptsächlich Archivmaterial nach. Leider fehlt es dem bekennenden Antisinologen offenbar an Allgemeinbildung, ist er doch nicht in der Lage, sich wenigstens der korrekten Anrede seines Gegenübers zu befleißigen: Durchgängig tituliert "Thomas" Herrn Cui nämlich als "Jian" - eine unangemessene Kumpelhaftigkeit, denn Jian ist der Vorname des Künstlers.

Bekanntlich steht im Chinesischen (und im Japanischen, im Koreanischen ...) der Familienname vor dem Rufnamen, was auch in der hochmögenden Feuilletonredaktion der ZEIT augenscheinlich niemandem geläufig ist.

Ein solcher Fauxpas lässt weitere Peinlichkeiten ahnen. Machen wir uns also schon mal gefasst auf die "Tsetung-Bibel", wenn künftig vom kleinen Roten Buch des Großen Vorsitzenden Mao die Rede sein sollte. Oder frei nach Karl Kraus: "Alle Kineser san Japaner."

Christiane Hammer Berlin