Wenn zwei sich streiten, fällt das Nachgeben schon mal schwer. Am nächsten Dienstag kommt es zum vorläufigen Höhepunkt eines bizarren Streits: Die Deutsche Börse wird die Aktie des Sportwagenherstellers Porsche aus dem MDax werfen, weil sich das Unternehmen weigert, jedes Vierteljahr ein komplettes Zahlenwerk über den Quartalsverlauf zu präsentieren. Seit diesem Jahr sind Quartalsberichte für alle Unternehmen des Dax und MDax vorgeschrieben. Und bis auf Porsche liefern alle Gesellschaften brav ihre Zahlen ab.

Allein schon um ihre Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren, wird die Börse den widerspenstigen Autobauer aus dem MDax ausschließen müssen. Wer einen Index zusammenstellt, macht die Regeln. Wer sich nicht daran hält, fliegt raus.

Doch damit ist das eigentliche Problem nicht gelöst. Denn das ist die Regel selbst: Es ist nicht sinnvoll, alle 100 Unternehmen des Dax und MDax zu Quartalsberichten zu verpflichten. Den Aktionären jedenfalls hilft diese Vorschrift nicht.

Länger schon beobachten Börsianer, dass kurz vor und nach der Veröffentlichung von Quartalszahlen eine Aktie wahre Kurskapriolen vollführt.

Vor dem Termin wird über Gewinne und Verluste spekuliert. Ist der Quartalsverlust dann überraschend deutlich, wird das Unternehmen gnadenlos abgestraft

ist der Gewinn überraschend hoch, darf sich der Vorstandschef abends im Börsenfernsehen als Tagesgewinner feiern lassen. Das hektische Auf und Ab rund um die Veröffentlichung des Quartalsberichtes nützt vor allem den Banken und der Börse: Je mehr Aktien gehandelt werden, desto höher ihr Gewinn.

Dabei sind die vierteljährlichen Rapporte wenig aussagekräftig. Ein Versicherer etwa generiert den Großteil seiner Einnahmen, die Versicherungsprämien, einmal im Jahr. Und muss das Unternehmen im Dezember überraschend für die Folgen eines Wintersturms aufkommen, verhagelt der Schaden die ganze Bilanz - ganz gleich, wie die Quartale zuvor ausfielen.