Berlin

Eine Treppe. Ein Symbol. Eine leichte, filigrane Stahlkonstruktion. Aber wem fällt das schon auf? Kaum einem, der am "Kotti", am Kottbusser Tor herumkurvt, jenem symbolischen Ort für Bürgerkrieg, Ghetto und Verfall in Kreuzberg. Und wer in die Adalbertstraße einbiegt, um durch das Betongebirge des Neuen Kreuzberger Zentrums (NKZ) hindurchzufahren, der wird nicht diese Treppe wahrnehmen, sondern nur das alte Bild des sozialen Brennpunkts sehen.

Er wird auch nicht die drei neuen Kugelahornbäume bemerken, die so etwas wie eine Piazzetta suggerieren. Die riesige Klippe aus Sichtbeton im steinernen Meer Berlins, die Bastion von tausend Sozialmietern und türkischer Geschäftigkeit hat sich als Symbol fest eingefressen. Es signalisiert gescheiterte Integration, Ghettoisierung der Türken, Drogenszenen. Die Kreuzberger Christdemokraten dachten an diesen Ort, als sie forderten, man müsse "Deutschland wieder erkennen". Für den CDU-Paten Klaus Landowsky war er eines der Berliner "Kriminalitätszentren". "Die kriegt man nicht in den Griff." Sein Vorschlag im März 1998: Sprengen.

Auch für die Türken war das NKZ ein Symbol. "Galata Köprüsü", Galatabrücke heißt die Konstruktion, die "Galerie", die die Adalbertstraße überbrückt.

Diese massive Brücke wurde von Kurden und ihrem Spiel- und Billardsalon beherrscht. Die zweifach gewendeten Betonrampen, die da hoch führten, waren förmliche Festungszugänge, über und über mit ML-Kampfaufrufen und politischen Postern beklebt.

"Nichts gegen Kurden, aber hier ging niemand gern hoch. Das war einfach nicht angenehm", sagt Hakan Kir, der jetzt sein elegantes Allianz-Büro auf der Galerie hat. Die Betontreppen sind abgerissen. Die zierliche neue Stahltreppe wirkt wie ein zartes Dementi der betonierten Wucht sozialer Probleme. Für die Architektin Claudia Grünberg, die jetzt im Haus arbeitet, war es "der Punkt, an dem gezeigt wurde: Hier ändert sich etwas". Stadtentwicklungssenator Peter Strieder eilte herbei, um die Brücke Anfang 2000 feierlich zu eröffnen und die Segnungen des "Quartiersmanagements" mit sieben Millionen Mark Investitionen in Haus und Umfeld zu verkünden.

Was mit der neuen Treppe begann, ist für den neuen Geschäftsführer Peter Ackermann nichts weniger als "ein Modellfall der Integration" - das offizielle Ende des NKZ und Beginn des Zentrums Kreuzberg - Kreuzberg Merkezi. Das ist der neue Name. Er steht mit Leuchtschrift auf der bordeaux-violett gestrichenen Betonbrücke über der Adalbertstraße. Das Logo: ein gelber Sonnenbogen und ein grüner Punkt.