Brüssel

Zehn Jahre sind vergangen seit Maastricht, und genau so lange ist die EU nun als bürgerfern und blutleer verschrien. In 25 Wochen rollt der Euro als bare Münze. Und demnächst will sich "Brüssel" per Osterweiterung ausdehnen bis zum Bug und ans Schwarze Meer. Höchste Zeit, das marode politische Fundament der Union neu zu gießen, und endlich offen zu reden über die miserable Verfassung der EU.

Verschaffen wir uns einen Überblick über die gegenwärtige Debatte. Die ZEIT präsentiert auf dieser Seite die Positionen der sechs europäischen Wortführer.

Gerhard Schröder und Joschka Fischer sind die deutschen Wortführer

als Kinder der Bundesrepublik steuern sie auch in Europa einen föderalistischen Kurs. Der belgische Regierungschef Guy Verhofstadt denkt ganz ähnlich

er versucht obendrein, während seines derzeitigen EU-Vorsitzes die Interessen der kleinen Mitgliedsstaaten zu artikulieren. Kommissionspräsident Romano Prodi bangt derweil um den Einfluss seiner ehemals "Hohen Behörde". Die will der Italiener liebend gern zu einer "europäischen Regierung" ausbauen - eine Idee, der wiederum Premier Lionel Jospin im Namen der französischen Nation widerspricht.

Gleichwohl, diese fünf Herren könnten allesamt die Zukunftsformel von Europa als einer "Föderation der Nationalstaaten" unterschreiben. Dagegen jedoch wehrt sich Tony Blair, der Brite: Wie Dänen und Schweden scheut er das "F-Wort". Das klingt ihm (und vielen Euroskeptikern) nach zu viel Brüssel, nach zu wenig Nation.