Die Mauer aus mattem, dunkelrotem Klinker zieht sich durch den Dünensand von Scheveningen an der Nordsee. Am stählernen Tor steht "Melden bij de Portier".

Hinter der Mauer liegen 665 Zellen. 39 hat das UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien mit seinen Untersuchungshäftlingen belegt. In einer davon sitzt Jugoslawiens früherer Präsident.

Slobodan Milosevic atmet beim täglichen Rundgang im Innenhof frische Meeresluft ein. Sehen kann er die Nordsee nicht. Nicht den roten Leuchtturm.

Nicht die Drachen am Himmel, die Surfer über die anbrandenden Wellen ziehen.

Nicht die Kinder auf den Ponys, nicht die Strandjogger, nicht die Pärchen.

Und auch die alleine stehende Frau sieht Milosevic nicht.

Die Frau schaut aufs Meer hinaus. Unbeweglich, der Wind drückt ihren langen, schweren Rock landeinwärts. Sie steht auf mattem, dunkelrotem Klinker: eine Gefangene des Schicksals, in Bronze. Die Inschrift zu ihren Füßen lautet: "Für alle, die hinausgefahren und niemals wiedergekehrt sind".