die zeit: Ist Wasser eine Ware wie jede andere?

Cyril Roger-Lacan: Die Reinheit des Wassers ist gefährdet. Trinkbares Wasser bereitzustellen wird immer teurer. Heute gilt allgemein, dass die Kosten vom Verbraucher übernommen werden sollten, weil sie dann transparent sind. Wenn das der Fall ist, wird Wasser zu einem Wirtschaftsgut. Trotzdem ist es kein Gut wie jedes andere. Wasser kann man nicht wie Strom über Tausende von Kilometern hinwegtransportieren. Der Markt lässt sich nicht völlig deregulieren. Wasservorräte sind in der Regel im Besitz von Gemeinden, Aufbereitungsanlagen oder deren Management können indes in privater Hand sein.

zeit: Gibt es bei den Kosten keinen Unterschied zwischen Industrie- und Entwicklungsländern?

Roger-Lacan: Die realen Kosten der Trinkwasseraufbereitung sind lokale Kosten. Wie sich die Preise zusammensetzen, kann von Land zu Land sehr unterschiedlich sein. In vielen Entwicklungsländern treibt der Investitionsbedarf die Preise in die Höhe. In Industrieländern wie Deutschland oder Frankreich ist Wasser zwar ausreichend vorhanden, es wird aber verschmutzt, was die Aufbereitung teuer macht. Aber immer geht es darum, effizienter zu wirtschaften, um Preissteigerungen zu limitieren.

zeit: Entsteht der Preisdruck auch, weil die Technologie immer wichtiger wird, um die Qualität zu sichern?

Roger-Lacan: Technologie ist sicher wichtig. Wir haben ein enormes Know-how angesammelt. Mit jährlich 100 Millionen Euro investiert Vivendi Environnement mehr als alle anderen in die Forschung. Wir können aus sehr verschmutztem Wasser Trinkwasser machen. Es geht aber nicht an, weiter die Ressource zu verunreinigen, die Qualitätsnormen zu verschärfen und dann zu meinen, mit Geld und Technik könne man die Lücke schließen. Wir müssen lernen, umsichtiger mit unserer Umwelt umzugehen. Die Technik der Uferfiltration, unsere Fähigkeit, Grundwasser zu absorbieren und wiederverwertbar zu machen, sowie das Bemühen, Umweltgifte von vornherein auszumerzen, werden von vitaler Bedeutung sein, um die Nachhaltigkeit des Wasserkreislaufs zu optimieren.

zeit: Werden sich auch Entwicklungsländer diese Technik leisten können?