In der Not muss man halt zusammenrücken. Zum Beispiel bei der Bahn. Deren Planer haben ausgerechnet, dass sie 63 Menschen mehr in einen ICE quetschen können, wenn sie den Sitzabstand in der zweiten Klasse um fünf Zentimeter verringern. Voll werden die Züge allemal, zumindest zwischen Köln und Frankfurt, wo Ende nächsten Jahres eine neue Schnellstrecke eröffnet wird.

Die Deutsche Bahn AG hat die Marktwirtschaft verstanden: Wer ICE fährt und dafür einen "besonderen Fahrpreis" zahlt, muss sich halt mit weniger Platz begnügen. Das Lümmeln auf Sitzen mit 97 Zentimeter Beinfreiheit wird also schon bald in der Erinnerung der Reisenden verblassen.

Dabei ahmt die Bahn lediglich nach, was ihr die Fluggesellschaften seit Jahren vormachen. Neueste Errungenschaft der Konkurrenz aus der Luft: eine neue Komfortklasse, angesiedelt irgendwo zwischen Holz- und Businessklasse.

Sie heißt "New Economy" oder "World Traveller Plus". Ihr Vorteil ist ein Sitzabstand von 97 Zentimetern - so viel wie bei der alten ICE-Bestuhlung.

Allerdings gibt es einen Nachteil: Sie kostet ein paar hundert Mark mehr als die Billigklasse.

Jetzt bekommt also auch der Schienenverkehr seine Holzklasse. Doch was ist mit dem gefürchteten Economy-Syndrom? Tödliche Blutgerinnsel in den Adern drohen vom langen Sitzen, Herzinfarkte, Todesfälle. Doch auch aus der Angst vor Thrombosen könnte die Bahn Kapital schlagen und beispielsweise Stützstümpfe verkaufen: mit dem sympathischen roten DB-Logo drauf, sozusagen der offizielle Bahnstützstrumpf. Ein erstklassiges Geschäft mit Passagieren zweiter Klasse.