Gut lachen hat in Salzburg Alberto Vilar, der "größte Mäzen der Festspielgeschichte". Mit seinem Geld wird Schostakowitschs Oper Lady Macbeth von Mzensk wie ein possierliches Russlandmuseum ausgestattet.

Polizistenrauschebärte wackeln, lehmfarbene Arbeiterkutten sitzen wie Eins-a-Trachten, der Pope stakst auf Kothurnen unterm Talar, und das große Tor von Mzensk hat vier mächtige Säulen, Klettersprossen und ein Turmzimmer für den Ehebruch. Peter Mussbach, der Regisseur, gibt sich alle Mühe, Vilar über die Sünde mit einem Video präzise in Kenntnis zu setzen: geschmierte Kolben in rhythmischer Arbeit. Maschinenöl statt Menschenschweiß. Bald trotten die Leute wieder über die Bühne, gucken grimmig und lassen sich auch von tanzenden Skeletten nicht erheitern. Gottlob dürfen sie um ihr Leben brüllen, denn Valery Gergiev, der Dirigent, tritt das Gaspedal der Wiener Philharmoniker stets bis zum Anschlag durch, und der Orchesterturbo schnaubt im roten Dynamikbereich. Ob Marsch, Polka, Walzer: Gergiev, die gründlichste Abrissbirne der Festspielgeschichte, bringt alle doppelten Böden der Musik zum Einsturz. Weil echtes Wasser als finaler Sarg ihres verpfuschten Lebens das Budget wohl überflutet hätte, muss Katerina (Intonation Glücksache: Larissa Shevchenko) die Nebenbuhlerin erwürgen, die ihr den Hallodri Sergej ausspannte (Tenor mit Aussicht: Victor Lutsiuk). Dann fahren beide unter Dampf in eine Grube. Demnächst fährt Mussbach in die Intendanz der Berliner Lindenoper und seine Produktion von Salz- nach Petersburg. Und wer hat die Container bezahlt? Vilar natürlich. Der Mann denkt wirklich an alles. Wolfram Goertz