Mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt - die Forderung ist vor allem dann zu hören, wenn, wie gerade wieder, die Zahl der Arbeitslosen steigt. Was zurzeit ganz besonders beunruhigt: Selbst die High-Tech-Industrie baut weltweit Stellen ab (siehe ZEIT Nr. 32). Auch der deutsche Elektroriese Siemens, dessen Chef Heinrich v. Pierer nicht gerade als sozialer Rambo bekannt ist, will 10 000 Jobs streichen - und macht dabei zugleich vor, wie unkonventionell er schon heute agieren kann.

Betroffen sind vor allem die Mitarbeiter in der Handyproduktion. Nach einem beispiellosen Boom auf dem Mobilfunkmarkt steckt das Geschäft im Augenblick in einer Flaute. Fast alle Hersteller waren gezwungen, die Notbremse zu ziehen. Doch irgendwie muss man die Wende bei Siemens schon früh geahnt haben. Immerhin wurden 2600 Mitarbeiter nur mit befristeten Verträgen ausgestattet. Viele davon werden jetzt nicht verlängert. Was die Menschen in der Region rund um Kamp Lintfort - dort ist die europäische Zentrale für Handyproduktion - ganz besonders irritiert: Die Betroffenen werden auf die Zeitarbeitsfirma Randstad verwiesen, die sie weiter vermittelt - bei Bedarf an Siemens. Befristete Arbeitsverträge allein reichten im Wettbewerb nicht aus, um die Produktion in Deutschland zu sichern, heißt es in der Münchner Siemens-Zentrale. Deshalb müsse man nun auf Leiharbeiter zurückgreifen. Noch flexibler geht's kaum.