Herr, hundert Jahre Einsamkeit sind nichts gegen diese Langeweile! Die Zeit tritt auf der Stelle. Die Sonne scheint, weil sie nicht anders kann, apathisch. Bevor sie bei Capri dämlich im Meer versinkt. Wir lungern am Pool, aber der Pool ist warm wie die Lava im Tale. Ruhmlos verdampft das Wasser.

Unser Chauffeur röchelt im Fond

der fette Koch hat Ausgang. Ariane, das Partygirl, lässt die Glocken läuten. Tief im Glas schnappt der Dom Pérignon nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen. Doch es ist unerträglich. Nein, so wollen wir nicht länger leben. Erlöse uns von der Langenweile und ihrem Übel.

Hier, in Italien. Dem Land, wo die Zitronen glühen und auf der Straße die Prügel dir blühen.

Die Hitze steigt, und wir spüren es am eigenen Leib: Ein Recht auf Faulheit darf es nicht geben. Denn die menschliche Natur strebt von sich aus zum Nullpunkt, zum ewigen Pool, wo dereinst wir alle uns wiedersehen. Das sieht Hessens Ministerpräsident Dr. Roland Koch genauso. Schön, wie er einmal darüber abstimmen ließ, ob Ausländer unter Umständen nicht nur Menschen, sondern auch Bürger sind. Das war gut so. Heute will Dr. Koch Sozialhilfeempfänger vom Nihilismus des Nichtstuns erlösen. Sie dürfen endlich arbeiten und müssen nicht länger am Pool die Zeit totschlagen. "Wir sind in Deutschland zu weich beim Zwang", sagt er und streichelt Hasso, den Hund. "Kiwiweich", kichert Ariane, unser Täubchen. Wer einen Antrag auf Sozialhilfe stellt, bekommt kein Geld, sondern einen harten Trainer. Kein Weichei wie du und ich. Wer dann immer noch nicht arbeitet, der "solle sich auf ein sehr bescheidenes Leben einrichten - bis hin zur Wohnunterkunft".

"Bis hin zur Wohnunterkunft." Ein "bescheidenes Leben". Das ist Musik in unseren Ohren. Dr. Kochs Sammellager, schön gelegen am Rande der Stadt, wo arbeitsunwillige Sozialhilfeempfänger zwangsweise frei zusammenleben können in gesunder Autobahnluft. Gemeinsam und nicht mehr so einsam wie wir.

"Betteln und Hausieren verboten". Im Sommer tut es auch ein Zeltlager mit Aufseher. Beschützt von einem Elektrozaun, damit wir Reichen nicht zudringlich werden, weil wir jetzt auch bescheiden leben wollen, wie unser Freund Wolfgang Joop sehr nett geschrieben hat. Ein Blechnapf für Diät-Linsensuppe für den kleinen Hunger zwischendurch. Ariane, das hält uns schlank! Wir haben es satt, immer nur satt zu sein. Wir wollen auch rein ins hessische Sammellager mit Wachturm und Außenklo. "Kann zu Reinigungsarbeiten herangezogen werden." Einmal im Monat frische Wäsche. Sonntags Kirchgang. Die Schule der Demut. Bescheidenheit ist eine Zier. Ariane, mein Sommer! Finis