Bei manchen dauert es eben etwas länger. "Laura und ich merken manchmal gar nicht, wie klug unsere Kinder sind, bis wir eine objektive Analyse bekommen", sagt der Präsident der Vereinigten Staaten treuherzig in die Kamera. Sei's drum, die eigene Familie kann das wegstecken. Wichtig ist, Mitgefühl für die anderen aufzubringen, denn George W. Bush weiß, "wie schwer es für Sie ist, Essen auf die Familie zu bringen".

Amerika und seine Medienkritiker hadern mit dem öffentlichen Auftreten ihres Präsidenten. Vor allem, wenn Bush seine staatsmännischen Kollegen im Ausland besucht, geht es in der Berichterstattung der Presse nicht nur um Umweltprotokolle und Raketenabwehr. Die Journalisten sorgen sich auch immer darum, welchen Eindruck ihr Präsident hinterlässt. Die New York Times etwa überschrieb einen Bericht über seine jüngste Europareise mit der Schlagzeile Bushs europäisches Theater. Bei seinem Auftritt habe er, so hieß es da, "viele Gesichter gezeigt" und damit seine Gastgeber "abwechselnd verblüfft und beeindruckt".

Dabei sind es die Medien selbst, die das Image des Präsidenten entscheidend prägen. Und in den sechs Monaten, die Bush nun im Amt ist, hat sich kaum eines der Massenmedien durch eine übermäßig kritische Analyse seiner Amtsführung hervorgetan. Stattdessen gibt man mit Genuss seine rhethorischen Entgleisungen wieder.

Tatsächlich wurde Bush im Vergleich zu seinem skandalbehafteten Vorgänger Bill Clinton in den ersten Monaten mit Samthandschuhen angefasst. Ob Steuerkürzung oder Chinakrise - die Medienelite gab Bush ein solides thumbs up - Daumen hoch. "Wir sind effektiv entmannt worden", sagte Jim Warren, Washington-Bürochef der auflagenstarken Regionalzeitung Chicago Tribune, dem Medienfachdienst Inside.com. "Bush genießt eine wundersame Schonfrist. Bis jetzt haben wir aus seinen Mängeln geradezu eine Tugend gemacht."

Nach Angaben des Center for Media and Public Affairs in Washington berichteten die TV-Networks in den ersten 50 Tagen der jeweiligen Präsidentschaft doppelt so viel über Clinton wie über Bush. Clintons PR-Stil war an diesem ungleichen Interesse nicht unschuldig. "In der Clinton-Regierung gingen eine Menge Leute ein und aus, der Präsident hörte sich die Ideen vieler unterschiedlicher Menschen an", sagt Martha Kumar, Professorin an der Towson-Universität in Maryland. "Das Ergebnis war, dass eine Menge konkurrierender Storys im Umlauf war." Bushs PR-Berater dagegen halten seine engsten Mitarbeiter wie auch seine Pressesprecher unter einem strengen Regiment und lassen kaum etwas durchsickern, was nicht durchsickern soll. Nicht umsonst verliest Bush vor der Presse in der Regel nur vorgefasste Statements und lässt wenige Zusatzfragen zu. "Doch Charisma reicht nicht besonders weit, wenn es fast ausschließlich hinter geschlossenen Türen stattfindet", klagt sogar das konservative Wall Street Journal.

Dabei galt Bush während seiner Zeit als Gouverneur in Texas als shmoozer par excellence, einer, der die Kinder der Heimatreporter mit Vornamen kannte und dessen "Charme-Offensive" ein Journalist nach dem anderen erlag. Noch im vergangenen Jahr hatte der frisch gekürte Amtsträger bei einer Weihnachtsfeier würdevoll und getragen diverse Honoratioren in seinem Haus begrüßt, nur um einen Moment später einem Reporter augenzwinkernd und aus dem Mundwinkel heraus zuzuraunen: "Sie wissen schon, das hier ist eine echt dicke Nummer."

Es ist genau diese Mischung aus Witz und Ignoranz, vor der es Mark Crispin Miller gruselt. Der 51-jährige Medienprofessor an der New York University begreift sich als Intellektueller, als einer, der die Öffentlichkeit wachrütteln muss, weil das Fernsehen dies nur noch in beschränktem Maße tut.