Die EU, ein Geschäft?

Belgiens Regierung ist besorgt. Nach den Schlachten zu Göteborg und Genua gilt es unter Globalisierungsgegnern längst als ausgemacht, dass im Herbst die beiden EU-Gipfel in Gent und im Brüsseler Vorort Laeken zu Kampfplätzen gegen die Herrschaft des Kapitals werden sollen. Befeuert wird der Widerstand nun durch Meldungen, die Regierung von Premier Guy Verhofstadt wolle die Kosten ihrer EU-Präsidentschaft durch Sponsorenverträge senken: Elektronikkonzerne mögen, bitte schön, Fax und Kopierer stellen, Diplomaten und Journalisten dürfen sich kostenlos an Cola laben. Belgische Antikapitalisten deklarierten prompt das Sponsoring zum "Beweis dafür, dass die EU-Führer nur den Konzernen dienen". Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Gerade musste das kleine Königreich seinen Kostenvoranschlag für den EU-Vorsitz von 22 auf 42 Millionen Euro korrigieren - auch aufgrund verschärfter Sicherheitsmaßnahmen gegen Politvandalen.

Fahrradklau.

In Perm nennen sie es den Diebstahl des Jahrhunderts. Tatort war der geräumige Hof vor dem Hause von Jurij Trutnew, Gouverneur der russischen Industriestadt. Dort hatte Sascha, der 7-jährige Sohn der Familie, sein Fahrrad geparkt, einen Importflitzer der Serie Spark FS für immerhin 440 Mark. Eines unschönen Morgens Ende Juli war dieser Funke von einem Fahrrad wie vom Erdboden verschluckt. Blitzartig erschienen vor Ort die Verkehrspolizei, die Miliz, der Chef der lokalen Hauptverwaltung des Innenministeriums, der stellvertretende Staatsanwalt, und, unübersehbar geheim, ein Vertreter des Sicherheitsdienstes FSB. Das massive Aufgebot der Staatsvertikale konnte die verfassungsmäßige Ordnung in Perm in zwei Tagen wieder herstellen, das Fahrrad kehrte zurück. Die Diebe, zwei vagabundierende Mädchen von 13 Jahren, wurden dem Haftrichter vorgeführt. Das Urteil steht noch aus.

Ausgezeichnet.

Der Lessing-Preis des Hamburger Senats geht im September an den Schriftsteller Botho Strauß. Das Lessing-Stipendium, das mit 10 000 Mark dotiert ist und wie der Preis alle vier Jahre vergeben wird, erhält der Theaterkritiker der ZEIT, Peter Kümmel. Für "sein "beherztes Eingreifen in die aktuelle Denkmaldebatte" ist auch Hanno Rauterberg, Architekturkritiker im Feuilleton der ZEIT, geehrt worden. Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz verleiht ihm einen Journalistenpreis in Höhe von 5000 Mark.