Der Mann gerät geradezu ins Schwärmen. "Es gibt nichts Schnelleres, um Arbeitsplätze zu schaffen und eine wirtschaftsschwache Region auf Vordermann zu bringen, als Tourismus", behauptet Karl Born, ehemals Topmanager bei Europas größtem Reiseunternehmen TUI und heute Touristikprofessor an der Fachhochschule Wernigerode. Das Geschäft mit der Reiselust "ist die Jobmaschine Nummer eins". Das Konzept klingt verlockend einfach: "Sie stellen ein paar Hütten auf, und schon haben Sie Tourismus." Erst bringen die Investoren Geld ins Land und schaffen Arbeitsplätze, dann kommen die Touristen mit dem dauerhaften Geldsegen.

Kein Wunder, dass Regierungen armer Regionen als Erstes auf die Idee verfallen, mit Tourismus den schnellen Euro oder Dollar zu machen. Das gilt für strukturschwache Gebiete in Deutschland ebenso wie für eine wachsende Zahl von Ländern in der Dritten Welt. Darin werden sie von mächtigen Institutionen bestärkt: Die Europäische Union hat riesige Förderprogramme aufgelegt

die Weltbank und ihre Tochterunternehmen gewähren in rund sechzig Ländern Hilfe für Tourismusprojekte. In Deutschland gibt es kein Bundesland, kein Regierungspräsidium und kein Landratsamt, das nicht öffentliche Töpfe für das Fremdenverkehrsgewerbe bereitstellt.

Trotz aller Einigkeit - das Rezept ist gefährlich. Dabei sind die Ferien tatsächlich ein Markt mit Zukunft: Jedes Jahr reisen immer mehr Leute immer weiter. Längst ist die Tourismusbranche der weltweit größte Wirtschaftszweig.

Fast elf Prozent des globalen Bruttosozialprodukts, schätzt die Welttourismusorganisation (WTO), würden im Reisegeschäft erwirtschaftet, das heute schon 200 Millionen Menschen beschäftigt. In den kommenden zehn Jahren dürften weitere 40 Millionen Arbeitsplätze hinzukommen, prognostiziert der Touristikprofessor Karsten Kirsch. Die Fachleute der WTO glauben, dass sich die Zahl der Reisenden bis 2020 gar mehr als verdoppeln wird.

Aber: Ist der Tourismus deshalb schon die Lösung für die armen Länder?

Bestimmt ist er kein Wundermittel, allenfalls eine Medizin mit Risiken und Nebenwirkungen - selbst wenn es viele Vorbilder gibt, denen es gelungen ist, aus der Reiselust erfolgreich Kapital zu schlagen: Mallorca hat es, von Bausünden und akuten Umweltproblemen abgesehen, in vier Jahrzehnten von einer der ärmsten zur zweitreichsten Region Spaniens gebracht. Auch das türkische Antalya, das im vergangenen Jahr mehr als 1,5 Millionen Urlauber aus Deutschland zählte, gilt unter Experten als ökonomisches Erfolgsmodell. Der Hauptgrund: Der Boom strahlt in die ganze Region aus, weil dort zum überwiegenden Teil produziert wird, was die Touristen in Hotels und Restaurants verzehren oder beim Shopping kaufen.