Die letzte große Überraschung lieferte ein Eastern, jetzt ist's ein Western.

Das deutsche Kinopublikum, in einem seltenen Fall von Zuneigung für ein heimisches Produkt, erfreut sich außerordentlich an einer neuen Komödie mit integrierter Zeitreise. Zuletzt genoss es den Trip zurück in den nahen Osten, zur Sonnenallee. Diesmal macht es sich begeistert in den wilden Westen auf, zum Schuh des Manitu. Michael "Bully" Herbigs Klamotte auf den Spuren früherer Karl-May-Verfilmungen zählt drei Wochen nach Start schon rund dreieinhalb Millionen Besucher, und bereits nach wenigen Tagen Laufzeit meldete der Verleih den "erfolgreichsten Donnerstag-Start eines deutschen Films aller Zeiten". Der Häuptling der Apachen und sein weißer Blutsbruder haben abermals Freundschaft mit dem Volk der Deutschen geschlossen, beziehungsweise umgekehrt. Dabei kann man wahrhaftig nicht sagen, dass die jüngste Abordnung der Cowboys und Indianer übermäßig viele Pointen zur gemeinsamen Treuefeier mitgebracht hätte. Die Witze knastern so vor sich hin wie ein lässliches Lagerfeuer in den frühen Morgenstunden. Es wärmt noch, aber lodert nicht mehr. Vielleicht liegt allerdings gerade darin der Schlüssel zum Erfolg. Der Schuh des Manitu lädt den Zuschauer ein in eine Art Wohnzimmer-Prärie. Er erzählt aus einer Ferne, wie sie näher nicht sein könnte. In den Jagdgründen der transatlantischen Ureinwohner spiegelt sich zugleich ein altes Fernsehidyll vieler eingeborener Deutscher. Zwischen Marterpfahl und Friedenspfeife finden zweierlei Heimat zueinander - nicht umsonst scherzen Herbigs Helden gern auf Bayerisch. Für 90 Minuten kehrt ein süßes Stück Kindheit zurück - als belächelnswerte Fremde. M.W.