die zeit: Herr Strenger, viele der vom Neuen Markt enttäuschten Kleinaktionäre klagen jetzt auf Schadensersatz. Werden sie ihr Geld wiedersehen?

Christian Strenger: Es wird nicht leicht sein. Nach deutschem Recht muss man dem Vorstand erst einmal vorsätzliche Schädigung nachweisen. Grobe Fahrlässigkeit reicht da nicht aus, selbst wenn man sie in dem einen oder anderen Punkt feststellen könnte. Klagen einfacher zu machen ist eine wichtige Forderung der Regierungskommission Corporate Governance. Ich kann nur hoffen, dass der Gesetzgeber diesen Ratschlag schnell umsetzt.

zeit: Was hätte es für einen gefallenen Börsenstar wie Ex-EM.TV-Chef Thomas Haffa denn für Konsequenzen? Der fährt sein Unternehmen vor die Wand, verkauft seine Aktien für Millionen von Euro und entzieht sich der Verantwortung.

Strenger: Haffa ist ein spezieller Fall. Dass sein Unternehmen keinen hauptamtlichen Mitarbeiter im Controlling hatte, als man schon mehr als 25 Milliarden Mark Börsenwert hatte, liegt doch nahe am Vorsatz. Sicher hätte er auch früher darauf hinweisen müssen, dass seine Geschäfte schlecht gehen.

Stattdessen hat er auf Veranstaltungen noch Rosiges verbreitet. Es spricht einiges dafür, dass ein Richter versuchen wird, in diesem Fall ein Exempel zu statuieren.

zeit: Die Börse hat neue Regeln eingeführt, um das Geschehen am Neuen Markt transparenter zu machen. Vorstände müssen melden, wenn sie Aktien verkauft haben.

Strenger: Dann kann sich der überraschte der Anleger sagen: Siehste, jetzt weiß ich, warum der Kurs so gefallen oder gestiegen ist.