Die Serien im Fernsehen leben von Kommissaren und Fahndern. Wie hoch spannend eine Dokumentation über einen echten Detektiv sein kann, war vergangene Woche zur besten Sendezeit im Ersten sehen. Der Kunstdetektiv ist Clemens Toussaint (40), und er fahndet in Sachen Beutekunst. Nach rund 20 Jahren in diesem Geschäft tut er das nicht mehr "undercover". Er lässt sich feiern wie ein Star und nutzt seine Medienpräsenz als Druckmittel gegen berühmte Museen der Welt, um ihnen während der Nazizeit gestohlene Schätze abzujagen.

In einem ist der gebürtige Saarländer und hartnäckige Rechercheur ehrlich: "Lassen Sie uns hier keine Märchen erzählen", sagt er im Film, "es geht um Geschäfte." Die lässt sich Toussaint mit 50 Prozent des Gewinns vergüten. Das ist happig. Einen Zuschlag von 15,5 Millionen Dollar brachte im vergangenen Jahr die über den gemeinsamen Druck des Kunstdetektivs, der Anwälte und der 31 Erben unvermeidlich gewordene Versteigerung des Suprematist Painting (nach 1920) von Kasimir Malewitsch bei Phillips. Unter der Inventarnummer 818.35 und dem Vermerk extended loan (Dauerleihgabe) hing es Jahre lang im New Yorker Museum of Modern Art.

Diese Art von Einkünften - rund 331 000 Dollar für jeden Erben, mehr als zehn Millionen Dollar für Toussaint, inklusive der Anteile von fünf Millionen Dollar Abgeltung für weitere 15 Werke von Malewitsch aus dem MoMa - bringen dem inzwischen am Mittelmeer lebenden Toussaint nicht nur Freunde ein. Und viele Skeptiker stellen Fragen: Wie finanziert Toussaint bis zu zehn Jahre dauernde Recherchen ohne eine Erfolgsgarantie? Sein Lebensstil, so konnte man dem aufwändig gedrehten, aber eher unkritischen Film von Heiner Stadler entnehmen, scheint luxuriös, der Anwalt einer bekannten New Yorker Kanzlei ist teuer, die Reisen sind extensiv - allerdings erleichtert durch den privaten Hubschrauberlandeplatz. Hinter vorgehaltener Hand ist die Rede von prominenter Rückendeckung durch Händler, die profimäßig in Beutekunst investieren sollen.

In seinem 1998 erschienenen Buch Das verlorene Museum nennt der Beutekunst-Experte Hector Feliciano (früher Journalist bei der Washington Post und der Los Angeles Times) allein in Frankreich 203 zwischen 1940 und 1944 konfiszierte Sammlungen mit nahezu 22 000 Kunstwerken. Sein Buch gilt als Standardwerk und brachte einiges ins Rollen.

So musste das Seattle-Museum eine Odaliske von Henri Matisse und das Centre Pompidou Woman in Red and Green von Fernand Léger an die Erben des Galeristen Paul Rosenberg herausrücken. Außerdem recherchierte Feliciano erfolgreich den Verbleib je eines Gemäldes von Claude Monet und Pierre Bonnard. 64 weitere Kunstwerke aus der Sammlung Rosenberg gelten immer noch als verschollen.

Der New Yorker Galerie-Dynastie Wildenstein behagten die Behauptungen Felicianos überhaupt nicht. Gegen den Vorwurf der Kollaboration mit den Nazis erhob sie zweimal Klage wegen Verleumdung vor einem Pariser Gericht. Sie wurde beide Male abgewiesen.

Inzwischen will sich auch der in Puerto Rico geborene und in Paris ansässige Hector Feliciano das Wiederauffinden, die Rückgabe und den Verkauf der vier Rosenberg-Gemälde vergüten lassen, wenn auch zu einem sehr viel bescheideneren Prozentsatz als Toussaint. Er verklagte die Erben auf 6,8 Millionen Dollar "Finderlohn", wie man der Juli-Ausgabe des New Yorker Art Newspaper entnehmen konnte. 17,5 Prozent sind seiner Meinung nach für "Tausende Stunden der Recherche" angemessen, die er aufwandte, um die von Paul Rosenberg auf der Flucht vor den Nazis 1940 in Frankreich zurückgelassenen Werke ihren rechtmäßigen Besitzern wieder herbeizuschaffen.