Wie wird aus der Mauer Kunst? Man muss sie nur neu aufstellen (in 300 Kilo leichten Einzelteilen), ins rechte Licht setzen (mit Halogenspots vor dunklem Hintergrund) und das historische Drumherum erläutern (in einer eigens angefertigten Zeitung). Ach ja, durch berühmte Künstlerhände sollten die Brocken natürlich auch noch gegangen sein, zum Beispiel durch die von Arman, Armleder, Buren, Castelli, Chillida, Helnwein, Kabakov, Long, Noir und dreißig anderen. So jedenfalls macht es das Wallraf-Richartz-Museum, das rund um den 40. Jahrestag des Mauerbaus in der Josef-Haubrich-Kunsthalle der Stadt Köln die Sammlung von Mauerfragmenten des französischen Ausstellungsvermittlers Sylvestre Verger zeigt: 1989 - Berliner Mauer. Kunst für ein Europa im Aufbruch (bis zum 26. August). Die meisten Arbeiten entstanden unmittelbar nach dem Mauerfall

nach Madrid, London, Lyon und Nikosia sind sie nun erstmals in Deutschland zu sehen: bemalt, geritzt, collagiert oder als Bestandteil ganzer Installationen. Die besten Arbeiten sind dabei mehr als bloß historische Auftragskunst

die einfachste Lösung fand Olivier Mosset: Er polierte sein Stück Mauer auf Hochglanz. Roland Schappert