Im hessischen Städtchen Friedberg ist die Zukunft zu besichtigen, auch wenn das auf den ersten Blick ganz und gar nicht so erscheint. Denn die in einem Flur der örtlichen Fachhochschule installierte Technik von morgen sieht noch ein bisschen gestrig aus

provisorisch eingebaut in schlichte Holzwürfel und einen ausrangierten Geldautomaten. "Bewegen Sie sich bitte etwas nach vorne", sagt die mittlere Kiste mit Frauenstimme. Der Besucher tritt einen Schritt vor und schaut in den kleinen Spiegel des Geräts. "Bewegen Sie sich bitte etwas zurück." Die Maschine will mit ihrer Kamera einen schönen, klaren Blick auf die Regenbogenhaut des unbekannten Besuchers werfen. Ihre Reaktion ist korrekt: "Sie wurden leider nicht identifiziert."

Solche Abfuhren erteilt der Maschinenpark - manchmal jedenfalls - jedoch auch seinem eigentlich bestens bekannten Herrn und Meister Andreas Kipp. Der Student, der mit den Geräten für seine Diplomarbeit forscht, versucht sein Glück gerade an einem auf Fingerabdrücke spezialisierten Apparat. "Nicht erkannt", meldet die Kiste. Mehr Erfolg hat Kipp heute bei der Gesichtserkennung. Auf dem Bildschirm der Maschine legt sich ein Rahmen um sein eingefangenes Gesicht, die Augen des Konterfeis werden erleuchtet - akzeptiert.

So könnte es bald überall zugehen, wenn die Biometrie ihren lange angekündigten Siegeszug endlich antritt. Als Ausweis dienen dann unveränderliche Kennzeichen: Der Geldautomat verlangt statt der mühsam auswendig gelernten PIN-Nummer einen Finger, die Stechuhr im Betrieb will keine elektronische Identifikationskarte, sondern schaut sich den Angestellten direkt an. Der kann daher nicht mehr für den Kollegen mitstempeln.

Lange Jahre wurde aus solchen Visionen nicht viel. Die Hoffnungen der Hersteller "zerplatzten, obwohl die Kunden Interesse zeigten, aber keine bedeutsamen Summen ausgaben", wie das Fachblatt Biometric Technology Today in einem Rückblick beschreibt. Doch "2000 war ein Erntejahr", jubelt der Branchendienst. Der weltweite Absatz für Erkennungssysteme verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahr auf 450 Millionen Mark. "Mit Lichtgeschwindigkeit" soll es weitergehen: Für 2003 erwartet das Blatt, dass die Milliarden-Dollar-Grenze durchbrochen wird. In Europa wiederum sollen im Jahr 2006 Umsätze von 360 Millionen Mark zusammenkommen, prophezeit die Unternehmensberatung Frost & Sullivan. 1999 waren es gerade mal 75 Millionen.

Einfach in die Kamera lächeln

Die besten Kunden sind bislang Großfirmen und Behörden. Sie wollen Eindringlinge von Rechenzentren und Kernkraftwerken fernhalten oder Sozialhilfe nicht mehrmals an dieselben Asylbewerber auszahlen. Doch die lange nur für sie erschwingliche Technik wird billiger. Sensoren für Fingerabdrücke gibt es bereits unter hundert Mark, bald sollen die Chips für einen Euro zu haben sein. Dann soll die am Passwort-Chaos krankende Computerwelt für rasant steigende Nachfrage sorgen. Schon kamen eine Computermaus und eine Tastatur auf den Markt, die rechtmäßige Benutzer am Fingerabdruck erkennen. Wenn es nach den Herstellern geht, können beispielsweise bald elektronische Geldtransaktionen am Rechner oder Handy biometrisch beglaubigt werden.