Schenkte man den Warnungen vom FBI bis zur Tagesschau Glauben, so hätte der Computerwurm Code Red das Internet zerstören müssen. Hat er aber nicht.

Das Programm befällt nur Rechner, die mit Microsofts Internet Information Server bestückt sind. Kommentatoren schließen daraus, dass Microsoft-Technik das Internet doch nicht so stark beherrscht, wie die Firma gern glauben machen möchte. Mittlerweile machen verschiedene Varianten des Wurms die Runde und suchen unverdrossen nach ungesicherten Servern mit Microsoft-Software.

Ausgerechnet Linux-Programmierer haben nun ein einfaches Gegenmittel ersonnen: Wenn der Wurm sich durch seine spezielle Art von Abfragen zu erkennen gibt, wird die Suche durch dieses so genannte "graue Loch" so lange absichtlich verzögert, bis der Parasit frustriert aufgibt.

Zu den wenigen, die sich über Code Red so richtig gefreut haben, zählt der Getränkehersteller Pepsi. Dessen Tochterfirma Mountain Dew stellt nämlich ein rotes koffeinhaltiges Zuckerwasser gleichen Namens her. Seit dem Bekanntwerden des Wurms steigt der Limo-Absatz unaufhörlich. Probleme macht nur eine Werbekampagne mit dem Slogan "Crack the Code", die nun den Eindruck vermittelt, als würde man den Computerwurm begrüßen. Dabei wurde die Kampagne lange vor der Entdeckung der bösen Software entwickelt. Unterdessen überlegt die Konkurrenz, ob sie Virenjägern Taufprämien zahlen soll: Wer als erster einen Computervirus oder -wurm isoliert und beschreibt, darf ihn benennen. Im September treffen sich die weltbesten Virenjäger in Prag und wollen dort auch über solche zweifelhaften Taufgeschäfte diskutieren.

Am Mittwoch hat der amerikanische Mobilfunkbetreiber Metricom sein Datennetz Ricochet abgeschaltet. 51 000 Abonnenten müssen sich nun nach einer anderen Möglichkeit umsehen, wie sie drahtlos E-Mails erhalten und im Web surfen können. Etwa 700 000 Kunden wären nötig gewesen, um das bereits 1995 gestartete Projekt profitabel zu machen. Noch zum Jahresanfang hatte Metricom für sein Ricochet mehrere Auszeichnungen und Preise gewonnen und einen Vertrag mit der Café-Kette Starbucks abgeschlossen, die ihren Kunden das drahtlose Surfen ermöglichen wollte. Das Aus wird von Experten auch als Menetekel für das kommende UMTS-Mobilfunknetz gesehen. Doch die Probleme von Ricochet waren hausgemacht: Das Funknetz umfasste nur 17 Städte und einige Flughäfen, die Technik vertrug sich mit keinem anderen System, die Gebühren waren abschreckend hoch. Nun können die Kunden ihre 300 Dollar teuren Funkmodems als Sondermüll entsorgen - sie sind in keinem anderen Netz einsetzbar.

Wie ein Flächenbrand verbreitet sich im Internet ein Video, in dem der Microsoft-Chef Steve Ballmer einen wahren Affentanz aufführt und brüllend über eine Bühne hüpft (www.ntk.net/ ballmer/dancemonkeyboy.mpg). Der Ausschnitt aus einer Motivationsrede für Mitarbeiter ist aber nicht einmal das beste Filmchen aus Microsofts Giftschrank: In der Schweiz ließ die lokale Dependance der Softwarefirma einen Werbespot für Office XP drehen, in dem sich ein Pärchen der Liebe hingeben will. Dabei scheitert der junge Mann am BH-Verschluss und versucht ihn mit einem Passwort zu knacken. Der US-Zentrale war diese Kostprobe des Schweizer Humors zu gewagt. Sie sperrte den Spot weltweit.

Detlef Borchers (online@zeit.de)