In einem Spiegel-Interview hat Otto Schily gesagt: "Die Autonomen sind, wie ich glaube, in ihrer Mehrheit sehr sanfte und keineswegs auf Straßenschlachten fixierte Menschen." Das hat Schily gesagt? Ja, vor 19 Jahren. Da war der heutige Innenminister noch bei den Grünen und hat es mit seinem Verständnis für militante Linke vielleicht ein wenig übertrieben.

Der Schily des Jahres 2001 übertreibt in die entgegengesetzte Richtung. Erst trifft er den italienischen Innenminister zum vertrauten Plausch in dessen Ferienhaus - den Mann, der in Genua brutalste Polizeiübergriffe und folterähnliche Behandlung von Inhaftierten zu verantworten hat. Dann fordert er eine europaweite Polizei gegen gewaltbereite Gipfeldemonstranten. Der Vorstoß ist unnötig, unsinnig und gefährlich. Unnötig, weil klug agierende Polizisten auch in Genua mit dem "Schwarzen Block" hätten fertig werden können. Unsinnig, weil Schily keine Idee dafür liefert, wie die internationale Spezialtruppe rechtsstaatlich zu kontrollieren wäre. Und gefährlich, weil der Vorschlag den Radikalen unter den Globalisierungskritikern nützt. Die wussten schon immer, dass der Staat auf globale Proteste mit globaler Repression antworten werde. Um die Gefährlichkeit extremistischer Gewalttäter von rechts realistisch einzuschätzen, hat die deutsche Politik zehn Jahre gebraucht

bei den Linken verfällt sie schon nach zehn Tagen in Hysterie.

Er habe selbst "erlebt, wie durch das Eingreifen der Polizei Demonstrationen ausarten". Man dürfe sich "nicht wundern, dass die Gewaltbereitschaft wächst", wenn Sicherheitskräfte rechtsstaatliche Grundsätze missachten. Das sind ebenfalls Schily-Zitate. Nachzulesen im stern vom 26. Juni 1986. alf