Shakespeare, Dante, Darwin und andere große abendländische Denker zieren die Doe-Bibliothek der Universität von Berkeley, Kalifornien. Als die Porträts als Wandfriese im Jahre 1917 angebracht wurden, wollte man an Männer erinnern, die durch ihre "Erträge aus Forschung und Inspiration" zum "Fortschritt unserer Zivilisation" beigetragen haben. Der Neubau der Haas School of Business von Berkeley wurde 1995 nach diesem Vorbild gestaltet.

Auch hier sind die Seminarräume mit bekannten Namen geschmückt: Die Studenten hören Vorlesungen im Wells-Fargo-Raum oder im Arthur-Andersen-Auditorium. Auf den Fluren hängen die Plaketten von Toyota, Mitsubishi und Eastman Kodak.

Die neuen Schirmherren der Wissenschaft zeigen nicht nur die wachsenden Bindungen zwischen der kalifornischen Universität und den Weltkonzernen. Sie weisen auch auf ein neues Verständnis von "Erträgen aus Forschung und Inspiration" hin, das in Berkeley wie anderswo in den USA zu scharfen Konflikten innerhalb der akademischen Gemeinschaft führt. Denn nicht nur in Kalifornien steigt die Zahl der Allianzen zwischen Universität und Industrie.

Da die Kosten für wissenschaftliche Forschung steil ansteigen und die öffentlichen Mittel zurückgehen, buhlen Forscher überall in den USA um die Zuwendungen von privaten Unternehmen: Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt neues Spielzeug mit Unterstützung von Lego oder Walt Disney. In Princeton forscht ein von IBM bezahlter Professor über internationale Beziehungen, an der Universität Georgia ein Coca-Cola-Professor über Firmenlogistik.

Auftragsforschung ist nicht neu in den USA. Ebenso wie in Deutschland haben Universität und Industrie bereits zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts eng zusammengearbeitet und damit zum industriellen Aufschwung beigetragen. Doch der Umfang der Auftragsforschung wächst. Nach Angaben der amerikanischen National Science Foundation sponserte die Industrie 1999 die Forschung an Hochschulen und Colleges mit umgerechnet rund fünf Milliarden Mark. Zehn Prozent ihrer Forschungsausgaben bestreiten US-Wissenschaftler mittlerweile mit Firmenzuschüssen.

Big Science braucht Big Business

Viele Forscher heißen den Geldstrom aus der Industrie willkommen