Die meisten übrigen Zeitungen stehen weiter im Bann der Turbulenzen um das Bayer-Medikament Lipobay. Eine vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegebene Studie liegt jetzt vor, die dem Bayer-Konzern eklatante Versäumnisse in der Informationspolitik nachweist. "Ministerium wirft Bayer schwere Fehler vor", titelt die "Süddeutsche Zeitung"; beim "Tagesspiegel" heißt es: "Ministerium: Bayer informierte zu spät". Die "Welt" weiß von Plänen der Regierung für einen verbesserten Patientenschutz zu berichten: "Neues Frühwarnsystem für Medikamente".

Das parlamentarische Frühwarnsystem zeigt eine mögliche Niederlage von Bundeskanzler Schröder bei der Abstimmung um einen Bundeswehreinsatz in Mazedonien an. "Mazedonien-Abstimmung offen", titelt die "Frankfurter Rundschau", und die "Welt" wittert eine Chance für die Oppositionschefin: "Mazedonien: Merkel sagt Schröder den Kampf an".

Auch die Konjunktur muss dem Kanzler weiter Sorgen machen, spätestens, wenn er die Schlagzeilen von "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und "Handelsblatt" liest: "Die Kurse fallen, der Dollar schwach. Sorgen wegen wirtschaftlicher Talfahrt", überschreiben die Frankfurter ihren Aufmacher, und die Düsseldorfer zeigen ein Bild, das wir in letzter Zeit oft zu sehen bekommen haben: einen Börsianer, der sich angesichts abstürzender Kurse verzweifelt die Hand vor den Kopf schlägt. "Dax testet neue Tiefstände", lautet die Headline.

Es gibt Tage, da hat man den Eindruck, die großen Themen sind erschöpft, die Kommentatoren der Tagespresse reden nicht mehr miteinander. Während es ihnen sonst nicht schwerfällt, über dasselbe zu diskutieren und kontroverse Standpunkte auszutauschen, finden sie jetzt überhaupt keinen gemeinsamen Nenner. Heute ist so ein Tag: Jede Zeitung scheint ihren eigenen Einfällen nachzugehen. Machen wir also einen kleinen Streifzug durch die Meinungspalette, natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

"Tödliches Patt"

Ratlosigkeit beherrscht seit Wochen die Kommentare zum Nahen Osten. Wie man aus Ratlosigkeit eine Kunstform machen kann, zeigt Rudolph Chimelli in seinem heutigen Kommentar in der "Süddeutschen Zeitung". Beinahe jeder der von ihm aufgezählten Auswege aus dem momentanen Patt zwischen Israelis und Palästinensern gleicht einem Albtraum. Doch es ist auch keiner gangbar. Einem selbstmörderischen Terrorismus ist mit Flächenbombardierung und kollektiver Bestrafung nicht beizukommen. Die Israelis können die Palästinenser ebensowenig vertreiben, wie sich selbst gegen sie abschotten und einmauern. Nicht einmal zum Ausbruch eines richtigen Krieges taugen die strategischen Möglichkeiten. "Die meisten Konflikte in historischer Zeit endeten, indem sie entweder beigelegt oder ausgetragen wurden. Wenn aber der Friedensprozess tot ist und der große Krieg nicht möglich, ist dauernde regionale Unsicherheit die einzige Perspektive."

Plus ca change...