Egal, heute wird von Flensburg bis mindestens Italien in jeder Pizzeria Forza Ferrari gegrölt, bis die Kehlen brennen. Alle Tageszeitungen huldigen deshalb dem neuen und alten Champion mehr oder weniger ausgeprägt und lassen ihn an internationalen Krisen und innenpolitischen Abenteuern vorbei direkt auf die Titelseiten brettern. Dafür dankt Schumacher gebührend und verrät der "Bild": "Ich liebe Euch alle".

Das ist wunder, wunderschön, denn bekanntlich gibt es wahre Liebe in der Welt eher selten, und in Mazedonien momentan schon mal gar nicht. Aber Hoffnung naht: "Mehrheit für Bundeswehr-Einsatz zeichnet sich ab", glaubt die "Süddeutsche Zeitung", "Merz und Merkel lehnen Mazedonien-Mission ab", hält die "Welt" dagegen. Mit "Bundestag: Wegtreten!", macht schließlich die "tageszeitung" auf und nimmt damit jene Diskussion aufs Korn, die vorsieht, Auslandseinsätze der Streitkräfte künftig ohne Bundestagsmandat durchführen zu können. Das Sommerloch ist wohl definitiv erledigt, denn Innenpolitik allenthalben auf den Titelseiten aller Blätter. "Kürzungen, Anreize, Verpflichtungen. Drastische Vorschläge zur Reform der Sozialhilfe", textet beispielsweise die "Frankfurter Allgemeine", "Müller: Wachstumsschub noch 2001", meldet der "Tagesspiegel". "Linke weisen Grüne brüsk zurück", schreibt die "Frankfurter Rundschau" etwas neben dem Nachrichten-Mainstream. Gemeint ist der Ideologie-Streit der Globalisierungsgegner mit den Grünen.

Soldaten für Mazedonien?

5000 NATO-Soldaten, darunter Bundeswehrangehörige, sollen demnächst auf den Balkan geschickt werden. Noch fehlt der Bundesregierung dazu das Bundestagsmandat. Ob es gegeben wird, hängt auch von den Unionsfraktionen ab. Die aber zweifeln nicht nur am Sinn des NATO-Vorhabens überhaupt, sondern sehen die Bundeswehr mangels Finanzpolster auch nicht in der Lage, daran teilzunehmen. Doch Anzeichen, dass es bald zu einer Einigung zwischen Regierung und Opposition kommen wird, sind vorhanden. "Bündnistreue ist Staatsraison, hat der Kanzler gesagt", schreibt Tissy Bruns im Titelkommentar der "Welt". "Schröder weiß, wovon er spricht. Er gehört zur SPD, der die Union lange zu recht vorhalten konnte, dass sie ihre eigenen Zweifel wichtiger genommen hat als die vereinten Anstrengungen des Bündnisses, Hass und Gewalt auf dem Balkan einzudämmen." Die Kritik an der Planung des NATO-Einsatzes, unter anderem durch CDU-Chefin Angela Merkel, lässt sich aber auch anders interpretieren: "Manchmal, so in der Mazedonien-Frage, scheint die CDU sogar ganz froh zu sein, dass der Kanzler die Entscheidungen für sie trifft", heißt es in einem Kommentar der "Frankfurter Allgemeinen".

Balkan-Einsatz hin, Mandat her. Die eigentlich doch spannendere Diskussion diesbezüglich wird durch den Vorschlag Wolfgang Schäubles eingeläutet, das Parlament möge künftig darauf verzichten, Auslandseinsätze der Bundeswehr vor deren Beginn zu billigen. "Dem Bundestag könne dann zum Beispiel das Recht zugestanden werden, eine Truppenentsendung zu überprüfen und notfalls wieder rückgängig zu machen", schreibt Kurt Kister in der "Süddeutschen Zeitung". Soweit die pragmatische Sicht der Dinge, das Problem berührt jedoch mehrere Aspekte des bundespolitischen Selbstverständnisses: "Zum Beispiel, ob die NS-Vergangenheit noch ein Kriterium ist, an dem sich das Verhältnis von Regierung und Bundestag gestaltet", meint Stefan Reinecke in einem Kommentar für den "Tagesspiegel". Eine Frage ist aber auch, ob das Parlament mangels hinreichender Information die Verantwortung für eine Truppenentsendung überhaupt übernehmen könnte. "Was Gerhard Schröder einfordert, ist de facto nicht Ausübung der Verantwortung, sondern - partiell - blindes Vertrauen", schreibt Knut Pries dazu in der "Frankfurter Rundschau". "Insofern ist Wolfgang Schäubles Vorschlag, dergleichen Operationen zur ausschließlichen Zuständigkeit der Exekutive zu erklären, durchaus konsequent. Er verdient, gehört zu werden."

Keine Sozialhilfe für faule Jugendliche?

Versteh doch einer den Rudolf: Ausgerechnet während der Bundestag über den Einsatz von Soldaten in Mazedonien palavert, scheint Bundesverteidigungsminister Scharping nicht ausgelastet zu sein und meldet sich anderweitig zu Wort. Aber als Vorsitzender der Grundwertekommission der SPD muss er das ja ab und zu auch mal. Geht es also nach Rudolf Scharping, sollen Arbeitslose bis zum Alter von 25 vom Staat kein Geld mehr erhalten, wenn sie Jobangebote ablehnen - was ganz im Sinne von Roland Kochs Sozialhilfereform wäre. "Wer etwas vom Staat bekommt, der soll gefälligst dafür arbeiten, auch wenn es gar keine Arbeitsstelle gibt", züngelt die "Süddeutsche Zeitung" und unterstellt beiden Politikern Wahlkampf-Tätterä. Doch das kann es eigentlich auch nicht sein, wo doch SPD und CDU gefälligst opponieren sollen, was sie in diesem Fall aber nicht tun würden. "Was aus diesen [Scharpings] Wortmeldungen praktisch folgt, kann heute noch nicht gesagt werden", heißt es in einem Kommentar der "Frankfurter Rundschau". "Wir wissen jedoch jetzt definitiv, dass bei dem Thema Sozialstaatsreform der offizielle Vordenker der SPD mit dem hessischen Ministerpräsidenten gleichgezogen ist". Das muss so problematisch nicht sein, denn letztendlich geht es beiden darum, die Sozialhilfe zu dem zu machen, was sie sein sollte: eine Unterstützung für Notfälle und nicht eine bequeme Einkunftsart für Faulpelze aller Altersklassen. Aber: "Die Erwartungen, auch finanzieller Art, die da geweckt werden, sind freilich zu groß. Letztlich wird sich die Zahl der Sozialhilfeempfänger wohl nur um eine relativ geringe Prozentzahl verringern, die Halbierung, die Koch [ ... ] anstrebt, wirkt zu hoch gegriffen", heißt es in einem Kommentar des "Tagesspiegel".