Einen ganz und gar irdischen Zuschnitt haben heute die Titelseiten der deutschen Tagespresse. Das große Thema ist der geplante Militäreinsatz in Mazedonien. "Noch immer Uneinigkeit in der Koalition über den Mazedonien-Einsatz", titelt die "Frankfurter Allgemeine". Doch Kanzler Schröder muss sich deswegen wohl keine Sorgen machen. "Mazedonien: FDP stützt Rot-Grün", weiß der "Tagesspiegel" zu berichten. Zufrieden resümiert die "Welt": "Marschbefehl für Mazedonien in Sicht". Weitere Themen sind Außenminister Fischers Reise durch den Nahen Osten, der Rücktritt von Hessens Sozialministerin Mosiek-Urbahn und die Kritik an Scharpings Plänen für eine Sozialreform. "DGB und Grüne weisen Scharpings Vorstoß ab", titelt die Frankfurter Rundschau.

Für alle Fälle Westerwelle

Die Abstimmung über einen möglichen Einsatz der Bundeswehr in Mazedonien soll erst nächste Woche stattfinden. Aber nicht alle Koalitionäre wollen zustimmen, vor allem in der SPD-Fraktion und unter den Grünen regt sich Widerstand. Kanzler Schröder brach seine Sightseeing-Tour durch den Osten ab, um die Renegaten weich zu klopfen. Mentale Unterstützung erhält er dabei von dem Kommentator der "Süddeutschen Zeitung": "Die Debatte über den Mazedonien-Einsatz hat wahrlich seltsame Begleiterscheinungen. Da werden biedere SPD-Abgeordnete plötzlich zu Groß-Außenpolitikern und nennen die Verlegung zweier Bundeswehrkompanien vom Kosovo nach Mazedonien ‚eine Frage von Krieg und Frieden'. Es ist ihnen dabei egal, was man in London oder Paris dazu sagt, dass ausgerechnet drei Dutzend deutsche Parlamentarier wieder einmal den Exklusivdurchblick für sich reklamieren, wer auf Seiten der Moral steht." Doch selbst wenn sich die Abweichler nicht überzeugen lassen, muss Schröder keine Niederlage fürchten. Für alle Fälle hat er noch Westerwelle, wie der "Tagesspiegel" heute in seinem Aufmacher berichtet. In dem dazu gehörigen Kommentar heißt es spöttisch: "Die Liberalen begrüßen doch jede Gelegenheit, sich als zuverlässiger Partner zu empfehlen. Westerwelles drei Bedingungen - Waffenruhe, ausreichende Finanzierung, Rückendeckung der UN - sind dehnbar. So dehnbar, dass die FDP-Spitze jederzeit behaupten kann, sie seien erfüllt. Und mit liberalen Stimmen lassen sich dann Abweichler bei Rot und Grün neutralisieren."

Kochs own country

Nicht ein Tag vergeht, an dem der hessische Ministerpräsident nicht in den Schlagzeilen steht. Allein seine Medienpräsenz zeigt, dass er mittlerweile zu den großen Playern der CDU gehört, Spendensumpf hin, schwarze Kassen her. Heute taucht Koch in zwei Zusammenhängen auf. Zum einen gilt er inzwischen als Vordenker der Sozialdemokratie, da Scharping am Wochenende gleichfalls forderte, Sozialhilfeempfänger stärker unter Druck zu setzen (und dafür natürlich Prügel von den eigenen Genossen und den Gewerkschaften bezog). Zum anderen steht sein missionarischer Konservativismus zur Diskussion. Grund dafür ist der Rücktritt seiner Sozialministerin Mosiek-Urbahn. Die ehemalige Richterin und Mutter von vier Kindern entschloss sich zu diesem Schritt, weil sie sich von ihrem Mann trennen will und die Gefahr ausschließen möchte, "dass eine bevorstehende Veränderung meiner privaten Lebenssituation der glaubwürdigen öffentlichen Darstellung der werteorientierten familienpolitischen Zielsetzung dieser Landesregierung im Wege stehen könnte." Dazu schreibt Stefan Reinicke in seinem sehr lesenswerten Kommentar für den "Tagesspiegel": "Offenbar soll in Hessen die heile Familie als stählerne Norm gelten, alles andere als minderwertige Abweichung. In Kochs Country soll nicht nur die Sozialpolitik aus Wisconsin herrschen - sondern auch die stickige Moral des ‚Bibelgürtels' der USA. In Wiesbaden riecht es streng nach Werte-Fundamentalismus".

Hildebrandt geht Ran

Sport und Medien, Teil 2. Die Debatte um die Sat1-Fußballshow Ran ist einstweilen beendet. Die Sendung wird aufgrund der miserablen Quoten künftig um 19 Uhr ausgestrahlt und auf 75 Minuten gekürzt. Das vermeldet selbst die "Frankfurter Allgemeine" auf der Titelseite. Der schönsten Beitrag dazu steht allerdings mal wieder auf der Medienseite der "Süddeutschen Zeitung". Denn dort äußert sich Kabarettist Dieter Hildebrandt zum "'ran'-Wahn". Auf die Frage, wie groß seine Schadenfreude über die Kapitulation der ProSieben-Sat1-Media AG vor den Zuschauerinteressen sei, sagte Hildebrandt:
"Sehr groß. Das ist die erste Demo seit 1968, zu der ich nicht aufgerufen habe. Für so vieles habe ich unterschrieben, und nichts hat sich gerührt. Hier rührt sich etwas, ohne dass ich geschubst habe."
Manchmal führt eben auch Nichtstun zum Erfolg.