Joschka im Glück?

Der deutsche Bundesaußenminister Joschka Fischer steht vor der möglicherweise größten Herausforderung seiner Amtszeit. Bei seinem Besuch in Ramallah überraschte ihn Palästinenserpräsident Arafat mit dem Ansinnen, dass er sich gern mit dem israelischen Außenminister Peres in Fischers Büro in Berlin treffen wolle. Vier Tageszeitungen nehmen das heute als Aufmacher. In der "Süddeutschen Zeitung" steht unter der Kommentarüberschrift "Fischer Friedensfürst" zu lesen: "Israel und die Palästinenser haben alles Vertrauen zerstört. Es sprechen die Waffen. (...) In dieser hoffnungsleeren Situation schlägt Joschka Fischers Stunde. Der Außenminister vermag allein schon durch bloße Präsenz den Weg zum Abgrund zu verlängern. ... Selbstverständlich wird ein Treffen von Peres und Arafat in Berlin keinen Frieden bringen. Aber Fischer könnte es als Auftakt nutzen, um seinen Einsatz als Nahostbeauftragter zu institutionalisieren. Schließlich genießt Deutschland auch in der arabischen Welt einen guten Ruf. Die neue Rolle stünde dem Außenminister gut an." Ob er damit möglicherweise überfordert sein könnte, interessiert auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" nicht. "Dass Arafat bereit ist, mit Peres in Berlin zusammenzutreffen, zeigt, dass doch noch manche Überraschung möglich ist im Nahen Osten. Spürt Arafat, dass eine weitere Eskalation der Gewalt nur zur Selbstzerstörung führen wird? (...) Freilich: Mehr als ein Quäntchen Hoffnung, dass noch nicht alles verloren sei, vermag auch diese Visite nicht zu spenden. Nur größere internationale Bemühungen unter amerikanischer Führung könnten neue Friedenshorizonte aufreißen."

Das ficht "Bild" nicht an. Sie stürmt voran mit der Kommentarüberschrift: "Joschka Fischer hat Mut", und kommt zu der erhellenden Erkenntnis: "Das Heilige Land wird nicht von Heiligen bewohnt. Eine Brücke will der Außenminister zwischen den verfeindeten Bewohnern bauen. (...) Die Erwartungen sind hoch, die Chancen gering. Eine Brücke kann nie stärker sein als die Pfeiler, die sie stützen." Ach ja. Ob Berlin zum Brückenbau beitragen kann, ist noch gar nicht ausgemacht, glaubt man dem Berliner "Tagesspiegel": "Berlins Polizei graust es vor dem Nahostgipfel", titelt sie auf der Lokalseite. "Das wäre ein Horror", wird der Gesamtpersonalrat der Berliner Polizei, Wilfried Püschel, zitiert. "Die Berliner Polizisten reichen dazu nicht", jammert der Mann jetzt schon. "Peres und Arafat sind jeder für sich schon eine Riesennummer." Und beide zusammen daher eine "Wahnsinnsaufgabe".

Nato raus, Aktien runter

Eine solche wartet wohl auch auf die NATO-Soldaten, die zu einem Friedenseinsatz nach Mazedonien ausrücken müssen. Der Marschbefehl soll noch heute in Kraft treten - das Veto eines Mitgliedsstaates wird ernsthaft nicht erwartet. Die "Frankfurter Rundschau" schreibt dazu: "Was in der öffentlichen Debatte über den Einsatz von Soldaten gerne übersehen wird, ist die Tatsache, dass es in Mazedonien nicht um eine militärische, sondern um eine politische Lösung geht. Die EU, daran sei erinnert, hat in mühevoller diplomatischer Arbeit gemeinsam mit den USA die Streithähne in Mazedonien so lange geschubst, bis sie zu einem Friedensabkommen bereit waren."

Ihren Frieden mit den Aktien der Deutschen Telekom finden viele Kleinanleger derzeit nicht: Der Kurs ist auf ein neues Rekordtief von 16,60 Euro gefallen. Das "Handelsblatt" sieht weiteres Ungemach für Telekom-Chef Ron Sommer aufziehen: "Kabelnetz-Verkauf in Gefahr", titelt sie und meint damit, dass der Telekom vermutlich fünf Milliarden Dollar an Einnahmen in diesem Jahr fehlen könnten. Den Aktienverfall kommentiert "Die Welt": "Mit jedem Tag, den die T-Aktie weiter fällt, sinkt hier zu Lande das Vertrauen in die Aktienkultur. (...) Jetzt zeigt sich, wer für die Börse geschaffen ist. Doch auch Investoren, denen die Papiere zu heiß werden, sollten sich nun nicht von der Börse zurückziehen, sondern ihr Geld lieber Fondsmanagern anvertrauen, die sich tagtäglich damit beschäftigen".

Und was macht Otto-Normal-Verbraucher? Der überlegt sich vermutlich ein neues Reiseziel, wenn er die "Bild"-Schlagzeile liest: "Italiener beleidigen unseren Schumi." Der soll nämlich supergeizig sein, keine Freunde haben und auch nicht wissen, wie ein Buch von innen ausschaut. Das ist schon toll. Und was machen jetzt die deutschen Urlauber, die gerade an der Adria herumlagern?