Eines Nachts wurde in unsere Wohnung eingebrochen. Meine Frau Jariatu und ich hatten große Angst, dass uns der Dieb etwas antun könnte. Wir riefen die Polizei und waren sehr froh, dass innerhalb weniger Minuten zwei große deutsche Beamte kamen. Als sie jedoch zwei dunkelhäutige Personen antrafen, wollten sie zuallererst ihre Reisepässe sehen, um die Aufenthaltsgenehmigungen zu überprüfen! Wir waren so enttäuscht, dass wir kaum noch einschlafen konnten. Nicht wegen des Einbrechers, sondern wegen der Polizisten.

Das sind ganz normale Erfahrungen, die man als Afrikaner in Deutschland macht. Die üblichen Alltagsbeleidigungen. Natürlich fürchte ich um mein Leben, wenn ich von den Anschlägen der Skinheads auf Afrikaner und andere Ausländer in Deutschland höre. Irgendwann, irgendwo, irgendwie, denke ich dann, könnte es einen selber erwischen. Die rechtsextremen Jugendlichen drücken ihren Fremdenhass durch brutale Gewalt offen aus. Aber oft sind die klammheimlichen Rassisten, Leute, die ihre wahre Einstellung gegenüber Ausländern verbergen, viel bedrohlicher. Weil sie in der Masse verschwinden. Weil ihr Hass sich "nur" in Worten ausdrückt. Weil ihre Gedanken viele Menschen denken. Menschen in Ämtern und auf der Straße, gebildete und ungebildete.

Obwohl wir uns legal in Deutschland aufhalten, überschattet Angst unser Leben. Es sind die kleinen, beiläufigen Kränkungen, die besonders schmerzen. Zum Beispiel in der Ausländerbehörde, wo wir früher unsere Aufenthaltsgenehmigungen verlängern ließen und meine Kinder erleben mussten, wie ihr Vater behandelt wird: wie ein Nichts. Oder bei der Wohnungssuche vor zwei Jahren, als der Vermieter zunächst die Papiere meines Autos sehen wollte - ein Schwarzer mit Mercedes, da muss etwas faul sein!

Eines Tages, als ich den Wagen gerade eingeparkt hatte, ging ein alter Mann vorbei. Er blieb stehen und sah uns verächtlich an. "Ich zahle Steuern. Der Staat versorgt damit die Flüchtlinge. Die nehmen das Geld und kaufen sich Autos", sagte er, spuckte in unsere Richtung und rief im Weitergehen: "Alle Ausländer raus hier!"

Wir haben uns ein Auto gekauft, weil wir die offiziellen Hinweise in den öffentlichen Verkehrsmitteln in Heidelberg nicht mehr lesen wollten. "Schwarzfahrer machen sich etwas weiß" steht da, und die Illustrationen zeigen eine dunkelhäutige Person als Schwarzfahrer und hellhäutige als korrekte Fahrgäste. Aber solche Zumutungen lassen sich Deutschen nur schwer vermitteln.

Lügen und Unterstellungen

Ein Afrikaner, ein Mann aus Sierra Leone, der wissenschaftliche Qualifikationen mitbringt? Die Professoren schienen sich das nicht vorstellen zu können. Bei der Einschreibung an der Universität Dortmund musste ich mit dem Vordiplomstudium anfangen, um den deutschen Stand zu erreichen. Mein akademischer Grad, das in Sierra Leone (und in England anerkannte) Bakkalaureat, schien gar nicht zu existieren. Ich wurde behandelt wie ein deutscher Gymnasiast. Vier Jahre Studium und zwei Jahre in Forschung und Lehre bedeuteten jedenfalls nicht viel. Akademische Diskriminierung ist das, nicht wahr? Am Ende war ich doch in der Lage, mein Diplomstudium sowie meine Promotion jeweils mit der Gesamtnote "sehr gut" abzuschließen. Wie konnte das ein dummer Afrikaner nur schaffen?