Dominik Wichmann begibt sich in seinen Reportagen auf die Suche nach den Spuren der amerikanischen Utopie im Alltag. Ob dynamische High-Tech-Gurus wie Jeff Bezos, der Gründer der Internet-Buchhandlung Amazon oder die jugendliche Sozialhilfeempfängerin Latascha, die 20 000 Schuhsohlen sammelte und daraus einen Basketballplatz gießen ließ - beide eint die Überzeugung, dass Träume verwirklicht werden können.

In Wichmann finden sie einen wohlwollenden Porträtisten. Auch die Schlangentänzer, religiöse Fundamentalisten, die durch ekstatische Tänze mit gefährlichen Klapperschlangen eine besondere Nähe zu ihrem Gott herstellen wollen, gehören dazu.

Amüsierte Lektüre ist garantiert, aber auch Nachdenklichkeit regt sich. Ist es damit getan, sich zufrieden lächelnd zurückzulehnen und genüsslich über die amerikanischen Utopisten und Spinner die Stirn zu runzeln, die Traumtänzer als Opfer der Ideologie der Chancengleichheit abzutun, die jeder Blick auf die Sozialstatistik als verlogen entlarvt? Oder fehlt uns in Europa nur der Glaube an die Realisierbarkeit der Utopie, der uns helfen könnte, den überall spürbaren Pessimismus hinter uns zu lassen?

Dominik Wichmann:
»Jenseits von Utopie. Amerikanische Träume« (Picus Reportagen)
Picus Verlag, Wien 2000
161 S., 28,- DM