Müntefering: Guten Morgen Frau Ensminger.

Ensminger: Hat Sie das überrascht, dass mit Schäuble und Lamers ausgerechnet führende Unionspolitiker der jetzigen Regierung das politische Leben leichter machen wollen?

Müntefering: Nein. Die Idee hat es ja schon früher einmal gegeben. Es löst nur die Problematik nicht, die wir im Augenblick haben. Das ist ein Thema, über das man in die Zukunft hinein sprechen kann, aber für das, was im Moment in Sachen Mazedonien zu klären ist, hat das keine Relevanz mehr. Jetzt muss der Bundestag entscheiden.

Ensminger: Was glauben Sie denn, wie der Bundestag entscheiden wird?

Müntefering: Es kommt darauf an, was die NATO, was die, die dort sind, als Vorkommando uns sagen können. Es ist ja heute die Entscheidung des NATO-Rates anhängig. Ich nehme an, dass er heute entscheidet; vielleicht aber auch nicht. Das ist ja noch keineswegs geklärt. Dann wird man hier bei uns darauf warten, ob denn die Bedingungen erfüllt sind, die wir gestellt haben. Wenn sie erfüllt sind, dann bin ich sicher wird Deutschland sich beteiligen.

Ensminger: Aber es scheint ja zu wackeln, denn es gibt auch Abweichler bei Ihnen in den eigenen Reihen, die die Zustimmung gefährden könnten. Was halten Sie denn von diesen Genossen?

Müntefering: Den Begriff Abweichler mag ich nicht so, weil das klingt so, als ob das etwas Unsittliches wäre. Das ist es ganz sicher nicht. Das ist eine schwere Entscheidung. Das muss man bei jedem einzelnen Abgeordneten respektieren. Ich glaube aber, dass es gute Argumente gibt, und die Kollegen, die sich vor drei, vier Wochen skeptisch geäußert haben, die sehen ja auch, dass in der Zwischenzeit vieles passiert ist. Die im Land Verantwortlichen wollen, dass die NATO-Truppen kommen, und die einzelnen beteiligten Parteien haben zugesagt, dass sie die Waffen abgeben. Dann darf man glaube ich nicht lange zuwarten, sondern dann muss man die Chance versuchen zu nutzen.