Die bewegte Geschichte Südafrikas auf so wenigen Seiten nachzuzeichnen stellt eine gewaltige Herausforderung dar. Albrecht Hagemann bietet eine gut geschriebene, chronologisch angelegte Darstellung der wichtigsten historischen Etappen und spannt einen weiten Bogen von der mehr als 20 000 Jahre alten San-Kultur über die Ursprünge und Ausgestaltung der Apartheid bis zu den gegenwärtigen Problemen der noch jungen Demokratie.

Der Mut zur Lücke ist bei einem solchen Format unumgänglich. Aber der Autor konzentriert sich zu stark auf politische Entwicklungen. Aspekte wie Geschlecht, Kultur, Alltag oder Umwelt, zu denen in den vergangenen Jahren zahlreiche Studien erschienen sind, bleiben weitgehend ausgeblendet. Man erfährt fast nichts über die Mechanismen der Wanderarbeit, die Arbeitswelten der Minenarbeiter und Bauern, die Bedeutung von Sport und Musik, die Konstruktion von Identitäten. Von der afrikanischen Bevölkerung ist vor allem als Kollektivsubjekt "die Schwarzen" die Rede. Letztlich ist der Zuschnitt des Bändchens zu konventionell, um die Komplexität seines Gegenstandes einzufangen.

Albrecht Hagemann:Kleine Geschichte Südafrikas; Verlag C. H. Beck, München 2001; 133 S., 19,90 DM