Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hat davor gewarnt, dass Ängste vor der Globalisierung von Rechtsextremisten ausgenutzt werden könnten. In einem Interview der ZEIT sagte Thierse, "Überforderungsängste und Vereinfachungsbedürfnisse" seien die Basis für Erfolge rechtsextremistischer Ideologen. Weil in Ostdeutschland die "soziale, moralische und ideelle Situation immer noch problematischer ist als im Westen", sei die NPD in den neuen Ländern mit einer "neuen Kombination aus Nationalismus und Sozialismus" erfolgreich.

"Wir alle erleben eine beschleunigte ökonomische Entwicklung", sagte Thierse weiter. "Ein Teil der Bevölkerung reitet auf dieser Welle, ein Teil fürchtet, unter die Räder zu kommen. Auch für die Schwächeren müssen wir Politik machen, sie brauchen Angebote der sozialen Sicherung, der kulturellen und moralischen Beheimatung."

Ein Jahr nach den öffentlichen Debatten über Rechtsextremismus und Gewalt warnte Thierse vor Überdruss in der Auseinandersetzung mit dem Thema. Er bezeichnete es als "bedauerlich", dass kaum noch über rassistische Überfälle berichtet wird. Auf seinen regelmäßigen Reisen in besonders problematische Regionen Deutschlands habe er die Erfahrung gemacht: "Die Rechtsextremisten sind selbstbewusster, offensiver und besser organisiert als je zuvor."


Die globalisierungskritische Organisation Attac Deutschland hat die Angebote der Grünen zu einer Zusammenarbeit abgelehnt. Attac-Sprecher Christoph Bautz schreibt: "Eine Kooperation der Globalisierungskritiker mit den Grünen kommt nicht infrage, solange die Partei nicht mit ihrer zunehmend neoliberalen Wirtschaftspolitik bricht." Die Grünen blendeten "aus, dass zwischen ihren Positionen und denen von Attac Welten liegen. Ein Blick in den Entwurf des neuen Grundsatzprogramms genügt."

Die Haushalts- und Finanzpolitik der Bundestagsfraktion werden zunehmend von Marktliberalen bestimmt, argumentiert Bautz. Das gleiche Bild biete sich bei den grünen Reformvorschlägen für das Renten- und Gesundheitssystem, das "Patentrezept" sei überall Privatisierung. "Eine umverteilende und die Ungerechtigkeiten des kapitalistischen Marktsystems ausgleichende Wirtschaftspolitik kommt immer mehr unter die Räder."

Bautz fordert: "Politik darf nicht dem Diktat der internationalen Finanzmärkte unterliegen, sondern muss sich Gestaltungsspielräume zurückerobern." Mit Blick auf die Wahlniederlagen der Grünen in den vergangenen drei Jahren schreibt der Attac-Sprecher: "Die Noch-sechs-Prozent-Partei wird erst dann wieder Boden unter die Füße bekommen, wenn sie nicht mehr mit trüben Aussichten in liberalen Fahrwassern zu fischen versucht."