BOHLEY:
Es ist eigentlich sehr schön, wenn man eine alte Heimat hat und eine neue. Dann gibt es ein neues Spannungsfeld, und insofern ist Berlin meine alte Heimat und wird es bleiben, und ich interessiere mich auch für alles, was hier passiert. Kroatien – oder sagen wir mal eigentlich nicht nur Kroatien sondern der Balkan - ist meine neue Heimat. Ich habe ja drei Jahre in Bosnien gearbeitet von 1996 bis 1999 und bin jetzt eigentlich erst kürzere Zeit in Kroatien.


In Bosnien waren Sie für ein Projekt der Europäischen Union. Was ist eigentlich daraus geworden?


Dieses Projekt ist abgeschlossen; der Vertrag lief aus. Leider bin ich sehr unzufrieden mit dem, wie das Projekt beendet wurde. Eigentlich ist mit meinem Weggehen alles gestorben, was ich aufgebaut habe. Und das liegt ein bisschen daran, dass die internationale Gemeinschaft dort immer sehr kurzfristig tätig ist - also die jeweiligen Vertreter. Die Diplomaten arbeiten für ein halbes Jahr; die Verträge sind ganz kurz. Die Diplomaten sind ein halbes Jahr im Krisengebiet, um dann später auf Hawaii Botschafter zu werden. Und so ähnlich ist es mit anderen Einrichtungen auch. Es gibt eigentlich nicht den wirklich gezielten Ansatz – jedenfalls den sehe ich den nicht - die lokalen Leute zu befähigen, ihre Probleme in die eigene Hand zu nehmen. Sie werden immer nur ‚verwaltet’, und das kommt aus dieser kurzfristigen Betreuung heraus.


Was ist das, was Sie jetzt konkret in Kroatien machen?


Eigentlich lebe ich in Kroatien, weil ich nicht mehr so hundertprozentig in Deutschland leben wollte. Ich fand das auch eine zeitlang langweilig, was politisch passiert, und ich konnte mich selber auch nicht mehr reden hören. Ich konnte mir eigentlich nach meinem Bosnien-Aufenthalt nicht vorstellen, hierher zurückzugehen und so weiter zu machen wie vorher…


…weil Sie auch zu präsent waren in den Medien, das Gefühl hatten, Sie müssen da einmal aussteigen?

Einmal das und weil auch das Thema ‚DDR-Vergangenheit’ niemand mehr hören wollte, was ja jetzt wieder gerade am 13. August neu auf die Tagesordnung gestellt worden ist – oder sagen wir einmal mit der Vorstellung der SPD, eventuell mit der PDS zu koalieren.