Die Zeit: Was für Trends sind derzeit angesagt?

Bernd M. Michael: Der Haupttrend ist immer noch die Ich-AG, die zunehmende Individualisierung. Es geht darum, gesund und schön zu bleiben und uralt werden zu wollen. Das gilt für alle Altersstufen. Jahrzehntelang lebte man unter der Maxime, anderen gefallen zu wollen, das schwingt nun in Richtung: "Ich bin mir selbst genug." Zwar wird generell gespart, aber für Dinge, die einem wichtig sind.

Zeit: Was kann man aus diesen Trends für die klassische Werbung aufnehmen?

Michael: Die Leute sind skeptisch gegen Werbung geworden. Wir haben bisher ja immer übertrieben schöne Menschen gezeigt, das brauchen wir jetzt nicht mehr. Wir können authentischer werden: Wenn wir Menschen aus ihrem Leben zeigen, sind sie ja auf ihre Art schön.

Zeit: Werden Marketinginstrumente wie PR und Sponsoring nicht immer wichtiger? Zu Ihrer Gruppe gehören etliche Spezialagenturen.

Michael: In der Tat, wir haben zunehmend Ermüdungserscheinungen in der klassischen Werbung. Wir sind den Leuten zu oft ins Wohnzimmer gesprungen, daraus ist eine spürbare Belästigung entstanden. Deshalb haben wir diese neuen Spielfelder. Nun tauchen wir auf in einem Rockkonzert, bei einem Basketballspiel - das ist für die Zuschauer dann wieder etwas Überraschendes.

Zeit: Wenn wir lauter Ich-AGs haben, das hält dann die Gesellschaft noch zusammen?