Lahnstein: "Fusionen - Triumph der Hoffnung über die Er-fahrung", und: wie können Fusionen reguliert werden?

Sinn und Unsinn sowie Implikationen von transnationalen Fusionen war Thema des elften Tages der Bucerius Summer. Allzu oft, so Manfred Lahnstein, ehemaliger Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen und Vorsitzender des Kuratoriums der ZEIT-Stiftung, würden Fusionen derzeit als Instrument eingesetzt, um von unbe-quemen unternehmensinternen Umstrukturierungen abzulenken. Viele gescheiterte Fusionen zeigten, dass Konsequenzen einer Fusion innerhalb eines Unternehmens generell eher unterschätzt werden würden. Der Globalisierungsprozess per se, in-terne Kosteneinsparungen, Schaffung von Synergieeffekten stellten keine überzeu-genden Argumente für eine Fusion dar, so Lahnstein. Vor einer Fusion sollten sich Unternehmen über die Motive für eine entsprechende Entscheidung klar sein und irrationale Argumente ausschalten. Sollte sich ein Unternehmen für eine transnatio-nale Fusion entscheiden, müssten im Vorfeld sämtliche zu kalkulierende Implikatio-nen und Konsequenzen einer Fusion bedacht und anschließend implementiert wer-den. Lahnstein erwähnte einige wenige Elemente eines Implementierungsprozes-ses, die aufgrund aktueller Erfahrungen mit Fusionen bedacht werden sollten: klare Führungsstrukturen, Transparenz nach innen, Argumente für die Fusion gegenüber den Mitarbeitern und die Beachtung der kulturellen und psychologischen Unter-schiede zwischen fusionierten Unternehmensteilen, die überbrückt werden müssen.

Henning Klodt, Professor am Institut für Weltwirtschaft der Universität Kiel, stell-te verschiedene Modelle zur Kontrolle von Fusionsbewegungen vor und gab einen Rückblick auf erfolgte Fusionen. Klodt plädierte dafür, in die Bestimmungen der World Trade Organisation Regeln aufzunehmen, die sich mit der Kontrolle von Fu-sionen befassen. Klodt brachte auch die Idee einer Weltkartellbehörde vor.

Wernhard Möschel, Rechtswissenschaftler der Universität Tübingen und frühe-rer Vorsitzender der deutschen Monopolkommission, wies auf die Gefahren hin, die sich aus juristischer Sicht sowohl aus Megafusionen als auch aus deren Kontrolle für das öffentliche Interesse ergeben können. Dabei spielte er auf die Gefährdung des freien Wettbewerbs, aber auch darauf an, dass internationale fusionierte Unter-nehmen sich nationaler Gesetzgebung, auch Steuergesetzen, entziehen können. Im Gegensatz zu Lahnstein riet Möschel davon ab, eine zentralisierte internationale Fusionskontrolle einzuführen. Normen und Regeln in dieser Frage seien realisti-scherweise eher auf der Basis eines internationalen Abkommens zu erreichen, in dem die Signatarstaaten sich auf Minimumstandards verständigten.

Die sich anschließende kontroverse Diskussion, die von dem Politologen Cord Jakobeit von der Universität Hamburg eingeleitet wurde, drehte sich um die Frage, ob internationale rechtliche Standards dem von einem großen Teil der Teilnehmer der Summer School konstatierten aggressiven Vorgehen multi-nationaler Firmen in Entwicklungsländern Einhalt gebieten könnten. Jakobeit wies auf Nichtregierungsorganisationen hin, die als Pressure-Groups mehr und mehr Druck auf multinationale Firmen ausübten. Erörtert wurden auch Möglich-keiten, durch freiwillig bzw. unter dem Druck der Öffentlichkeit zu etablierende Standards innerhalb von multinationalen Unternehmen, mehr "social responsibility" im Verhalten von Unternehmen im Ausland erzielen zu können.

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