Es gibt Themen, die klingen anders. Die sind wie eine Drehtür. Sie öffnen sich nach allen Seiten, sobald man ihnen nahe kommt. Sie bieten überraschende Panoramen. Wenn man sich hineinbegibt.

In diesem Sommer haben sich die Brandenburgischen Kunstsammlungen Cottbus mit der Themenausstellung Das flache Land den Sog einer solchen Nähe geleistet.

Ganz genau - flaches Land. Positionen einer unspektakulären Sicht (Konzeption: Perdita von Kraft und Jörg Sperling). Und das heißt nicht: bläkende Weite, klare Horizonte , endlose Alleen, leere Felder, verschneite Äcker, hier und da ein Fluss. Oder eine Kuh.

Keine klappernden Klischees, keine Sensation . Im Gegenteil. Doch genau aus dieser bekennenden Lakonie bezieht diese international besetzte Ausstellung eine ganz eigenwillige Kraft und Präsenz. Es wurden Fallbeispiele aus Holland, Tschechien, Polen und beiden Teilen Deutschlands aufgespürt und zusammengetragen. 24 Künstler sind vertreten. Drei Generationen treffen aufeinander. Auch deshalb vermitteln sich auf allen drei Etagen des Hauses so verschiedene Ansichten und Aussichten. Nicht nur das Spektrum der Genres begeistert, sondern auch die unvermeidlich stummen aber leidenschaftlichen Dialoge der Kunstwerke untereinander.

Schon in der Malerei lassen sich die unterschiedlichen Möglichkeiten des Ins-Land-Sehens vergleichen. Während bei den blauen Flussimpressionen (Hudson) von Johannes Geccelli etwas von der vermeintlichen Unendlichkeit abstrakter Farbstudien eingefangen ist, schlägt bei Anton Henning realistische Situationskomik durch. Some Day My Prince Will Come ist der Titel seiner Serie von ganz bösen kleinen Ölschinken, die nicht mal der Maler selbst mehr ganz ernst nimmt. Wir sehen Abendlicht, Weide, Baumreihe. Und Kühe? Auch Kühe.

Auf Klaus Hartmanns Bildern dagegen - in quietschbunten Bonbonfarben gehalten - ist der Traumprinz wohl dagewesen, aber bereits wieder fort. Schade? Eher nicht, denn seine Bilder atmen eine solche Ernsthaftigkeit, dass sie aus jedem Provinzbahnhof einen elegischen Verkehrsknoten machen (Candy Station) und aus seiner Ansicht vom Ferienlager eine Traumsentenz frei nach G. C.

Jung.