Als Gutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft habe ich die Arbeiten Manfred Korfmanns bei und in Troja von 1988 bis 2000 verfolgen können.

Korfmann hat hervorragende Arbeit geleistet und wichtige Ergebnisse erzielt.

Dass jeder neue Fund und Befund eine kritische Reflexion des geschichtlichen Rahmens, in dem sie zu verorten sind, verlangt, ist selbstverständlich. Dass dabei Modelle unter Berücksichtigung historischgeografischer Gegebenheiten entwickelt werden ("Handelszentrum"), ist Aufgabe der Wissenschaft und rechtfertigt nicht so skandalöse Diffamierungen, wie sie in Formulierungen wie "Science-Fiction", "Irreführung der Öffentlichkeit", gar "Däniken der Archäologie" zum Ausdruck kommen. Übrigens ist an der in Abrede gestellten Unterstadt von Troja kein vernünftiger Zweifel möglich.

Im Hintergrund stehen hier anscheinend - abgesehen von persönlichen und inneruniversitären Querelen - unterschiedliche historische "Weltbilder".

Der große Althistoriker Eduard Meyer hat vor einem Jahrhundert das Tor der Alten Geschichte zu den vorgriechischen Kulturen des alten Orients aufgestoßen und die einschlägigen Quellen in ein damals hoch modernes Bild des Altertums eingebracht. Nur wenn diese Interdisziplinarität Vorbild bleibt, kommt die Wissenschaft über fachlich beschränktes Gelehrtengezänk hinaus. Das Troja-Projekt Korfmanns ist ein Musterbeispiel solcher Interdisziplinarität. Das Geld der DFG und weiterer Sponsoren war eine ausgezeichnete Investition.

Prof. Gernot Wilhelm Universität Würzburg