Wie auf einer Zeitreise wähnt man sich in dieser Stadt: Wer immer Lübeck besucht, wird zurückkatapultiert in die grandiose Epoche des Bürgerstolzes und der Handelskünste. Nicht in diesem Sommer allerdings, da fühlt man sich in die hässlichen sechziger Jahre versetzt. Damals hatten viele Innenstädte selbst wertvollste Denkmale abgeräumt, nur um ruppige Kaufhauskuben zu errichten.

Und just diese Geschichte will sich nun in Lübeck wiederholen. Gleich neben Marienkirche und Rathaus soll für Peek & Cloppenburg ein Glas- und Stahlpalast errichtet werden, ein Architekturautist der übelsten Sorte. Zwar müssten dafür nur einige Zweckbauten und keine Denkmale fallen, das grandiose Backstein-Ensemble aus Kirche und Rathaus aber wäre empfindlich gestört.

Gleichwohl hat Bürgermeister Bernd Saxe das Baumonster genehmigt - ohne dabei allerdings mit noch höheren Mächten zu rechnen. Die Unesco wurde eingeschaltet und soll überprüfen, ob Lübeck seinen Platz auf der Weltkulturerbeliste eigentlich noch verdient. Schon einmal drohte der Verlust der begehrten Auszeichnung, doch dieses Mal könnte die Stadt die ganze Unesco-Strenge treffen. Es sei denn, der alte Lübecker Bürgerstolz würde noch einmal seine volle Macht entfalten - und den rabiaten Kasten doch noch verhindern. rau