die zeit: US-Präsident Bush hat entschieden, dass amerikanische Wissenschaftler nur dann öffentliche Mittel erhalten, wenn sie mit bereits existierenden embryonalen Stammzellen, kurz ES-Zellen genannt, arbeiten.

Erfreut Sie diese Regelung?

Detlev Ganten: Sie ist politisch klug und hilft hoffentlich, die Diskussion zu versachlichen. In den USA gab es eine emotional stark aufgeheizte Debatte, von der ich hoffe, dass wir sie hier so nicht erleben werden. Bush hat nun das Forschungsfeld vorsichtig geöffnet und die internationale Zersplitterung der großen Forschungsnationen verhindert.

zeit: Bei vielen Forschern stößt die Einschränkung aber auf heftige Kritik.

Ganten: Das ist zu verstehen. Ich bin persönlich auch für die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen in einem schrittweisen und regulierten Verfahren, wie es die Deutsche Forschungsgemeinschaft in den Empfehlungen vom 3. Mai 2001 vorschlägt. Aber eine weitgehende Freigabe der Forschung an ES-Zellen überfordert unsere Gesellschaft im Moment. Sie würde Gegenreaktionen provozieren und so dem Anliegen der Forschung mehr schaden als nützen.

zeit: Die Entscheidung über die Stammzellforschung steht auch in Deutschland an. Wäre die US-Regelung auch für uns eine Lösung?

Ganten: Sie ist ein diskussionswürdiges Modell. Bedenken Sie, dass ein Teil der Stammzelllinien in den USA angelegt wurde und dieses auf privater Basis auch weiterhin möglich bleibt. Auf keinen Fall wollen wir aber getrennte Regelungen für staatlich geförderte und private Forschung bei uns. Insofern ist der Vorschlag der DFG richtig, wir brauchen diese Option auch in Deutschland. Die Aussicht, durch sie zu Therapien für bislang nicht behandelbare schwere Erkrankungen zu kommen, ist groß genug, um diese Forschung zu rechtfertigen.