Vorweg: Ich kann gut verstehen, warum für viele Eltern Früherkennung in der Schwangerschaft so wichtig ist. Wer möchte schon, dass sein Kind mit einer Behinderung geboren wird?

Vor drei Jahren kam meine Tochter Karolina auf die Welt - Karolina hat das Down-Syndrom. Schwerer Herzfehler, OP mit vier Monaten, Krankenhausaufenthalte, Infekte, Muskel-Hypotonie, geistige Behinderung - mit diesen Problemen mussten wir zunächst lernen umzugehen.

Konfrontiert wurden wir auch mit den Reaktionen der Umwelt. Häufige Frage von Bekannten und Freunden: Konntet ihr das nicht verhindern? Ehrlich, ich weiß nicht, wie wir entschieden hätten, wäre uns der Befund vor der Geburt bekannt gewesen. Mit meinem heutigen Wissen würde ich mich klar gegen eine Abtreibung eines Kindes mit Trisomie 21 aussprechen.

Karolina, ein dreijähriges, glückliches Mädchen mit Down-Syndrom, meine Tochter: lieb, laut, lustig. Ihr kleines Leben ist nicht die Hölle - auch wenn es unwissende Zeitgenossen nicht glauben mögen. Die Hölle ist, wenn Ärzte in den Kliniken nicht in der Lage sind, geschockte Eltern eines neugeborenen behinderten Babys einfühlsam aufzuklären. Die Hölle ist, wenn die Menschen auf der Straße nur glotzen, sich nicht trauen zu fragen.

Unwissenheit, Ignoranz und Intoleranz sind es, die ein Leben mit Behinderung zur Hölle machen können.

Ulf Rasch, München