die zeit: Herr Turner, setzen Werber Trends?

Sebastian Turner: Nur in seltenen Fällen. Manchmal hat man das Glück, einen Trend zu setzen. Meistens aber laufen wir wie die Verrückten hinter den Entwicklungen her. Werbung prägt das Land, aber der umgekehrte Satz stimmt noch mehr: Trends prägen die Werbung. Wir bilden die Situation eines Landes ab.

zeit: Und - wie geht es der deutschen Gesellschaft?

Turner: Spontan gesagt: ziemlich gut. Nehmen Sie die Rolle der Frau, man sieht fast keine Dummchensituationen in der Werbung mehr. Ein anderes Beispiel: Sexualität, auch Homosexualität wird gelassen abgehandelt. Diese Trends hat nicht die Werbung gesetzt. Eher kann man sagen: Wenn große Marken einen Trend zeigen, dann ist er schon Mainstream.

zeit: Entledigen sich die Deutschen derzeit hinderlicher Tabus?

Turner: Das Land wird jedenfalls leichter, lockerer. Ein Beispiel: Wir können heute offener über Profit reden. Es gibt in der Bundesrepublik eine große Verlogenheit beim Thema Geld - vor allem unter den Leuten, die es nicht verdienen. Gewinnstreben ist lange tabuisiert worden. Das ändert sich durch die ganzen Börsengänge: Viele Menschen werden Gesellschafter oder Aktionäre, daher wird die Diskussion kompetenter und realistischer.

zeit: Bedeutet "realistisch" wirtschaftsfreundlich?