Diese Autogrammkarte liegt nicht als Werbematerial am Postschalter, obwohl es so aussieht. Sandra Völker schwimmt - wie man sieht - auch für die Deutsche Post. Freundlich lachend, wie die gut gelaunte Sekretärin, die nach einem erfolgreichen Tag ihre Briefe abgibt. Doch da ist noch das halbierte Gesicht.

Und man stutzt. Für einen kurzen Moment dachte man, warum hat sich die Rivalin Franzi von Almsick auf die Karte verirrt? Aber das war nur Täuschung.

Hier liegt Sandra vorn, an erster Stelle. So, wie wir sie kennen, mit den breiten Schultern, dem wuchtigen, fast männlichen Körper, den wir aus unserem Erinnerungsspeicher holen, denn man sieht ihn nicht. Gerne würde ich mich noch in die andere Gesichtshälfte vertiefen, mehr erfahren von der Persönlichkeit, den Niederlagen und Siegen, von den Kämpfen, die vielleicht in den Augen ihre Geschichte hinterlassen haben.

Herlinde Koelbl ist Porträtfotografin. Zuletzt erschien von ihr das Buch zu ihrem Fernsehfilm Die Meute