Es ist weit gekommen mit God's own country. Jeder denkt nur noch an sich selbst, niemand glaubt mehr an den amerikanischen Traum. Verdammt noch mal - Chuck sollte sich einmischen! Und das tut er auch. Aber in die Politik gehen?

Ist was für Weichlinge. Vorbei die Zeiten, als US-Präsident Thomas Jefferson gleich zwei Waffen bei sich trug, silberne Pistolenzwillinge. Chuck bewahrt sie stolz in einer Vitrine auf.

Charlton Heston - Chuck für seine Freunde und Anhänger - mag mit 76 Jahren ein alter Mann sein, doch er wird nicht aufhören, sich zu Wort zu melden, wenn es um sein Land geht. Seit er 1998 zum Präsidenten der National Rifle Association (NRA) gewählt wurde, hören ihm einige sogar zu.

Als Sprecher der amerikanischen Waffenlobby kämpft der Schauspieler für die Erhaltung des zweiten US-Verfassungszusatzes, der jeden Bürger berechtigt, Waffen zu besitzen und mit sich zu führen. Doch Heston geht es um sehr viel Erhabeneres: das Grundrecht auf Freiheit. Es war das Herzblut der Freiheit, so sprach er 1999 in einem Vortrag vor Harvard-Studenten, das dieses Land aus der Wildnis emporhob und zu dem Wunder werden ließ, das es heute ist.

Heston redet fast immer so, als zitiere er die Bibel. Es muss etwas nachgeblieben sein von der Rolle des Moses in den Zehn Geboten, und offensichtlich hat ihn das häufige Darstellen von Heiligen und Helden ungünstig beeinflusst. Als Kinoinkarnation des unbezähmbaren weißen Heroen spielte sich Chuck durch Epen wie Ben Hur, Die größte Geschichte aller Zeiten oder El Cid.

Vor allem beeindruckte seine Statur. Fast zwei Meter groß, konnte er seinen Kollegen auf den Kopf spucken. Dazu eine hohe Stirn, buschige Brauen über alpenseeblauen Augen, ausgeformte Wangenknochen, Vierkantkinn und eine grollende Stimme - Heston schien schon rein äußerlich auf die Rolle des unerschütterlichen Herrenmenschen festgelegt zu sein.

Er selbst inszenierte sich auch jenseits des Kinos als echten Mann. Ein Alphamännchen, das wie die amerikanischen Pioniere mit der Waffe in der Hand Haus, Familie und - natürlich - die Freiheit verteidigte. Erstaunlicherweise gibt es unter Hestons über 70 Filmen nur wenige Western, darunter das Cowboy-Melodram Rivalen ohne Gnade.