"Antiglobalisierung" ist heute nicht nur eine neue "Jugendbewegung", in der sich ausschließlich gut gebildete, international orientierte, mit Internet und Handy aufgewachsene 20- bis 30-Jährige tummeln. Vielmehr fühlen sich immer mehr "Alte" von ihr angezogen. Ich gehöre mit meinen 58 Jahren auch dazu - warum wohl:

1.) War immer ein "braver", liberal denkender Demokrat - nie ein 68er APO-Aktivist - stehe aber heute fast resignierend vor der Erkenntnis, dass "demokratische Institutionen" (ob weltweite oder kommunale) keine Antwort finden, auch keine Visionen haben von einer notwendigen "neuen Ethik" für eine globalisierte Gesellschaft.

2.) Habe über 30 Jahre Berufs- und Wirtschaftsleben hinter mir (übrigens immer international, mit Computer, Web, Handy et cetera) und dabei den Übergang der "sozialen Marktwirtschaft" zum hemmungslosen "Shareholder Value Management" hautnah miterleben, ja selbst mitgestalten dürfen: Firmen kaufen, Werke schließen, Mitarbeiter flexibilisieren, Organisationsstrukturen "lean" machen, Kosten reduzieren und so weiter. Und das in immer kürzeren Abständen, weil angeblich der "Markt dies erfordert".

3.) Die immer kürzeren Abstände ("time to market") beim Umkrempeln wirtschaftlicher Verhältnisse sind meines Erachtens "systemgemacht" und möglich ob der Ohnmacht der Politik: Diese agiert rat- und hilflos.

Jugendliche haben meist einen feineren Sinn für solche Fehlentwicklungen, Alte brauchen naturgemäß etwas länger, aber sie kommen! NGO's - die Alternative für Jung und Alt.

Wolfgang Stubenrauch Unterföhring