An diesem Wagen, dem handgefertigten Roadster BMW Z8, stimmt nichts. Außer Design und Form, Motor und Leistung, Lampen und Klimaanlage, Rückspiegel, Lenkrad und Bremsen, Sitzen und Persenning, Ausstattung, Schönheit und Klang.

Aber sonst stimmt nichts. Der Aschenbecher zum Beispiel ist zu klein.

Auf der Autobahn zwischen Hamburg und Berlin könnte der 5-Liter-Achtzylinder mit seinen 400 PS ganz wie vorgesehen seine bei 250 km/h zwar abgeregelte, gleichwohl hinlängliche Spitzengeschwindigkeit erreichen. Allein, der Spielplatz ist zu kurz: Da vorne schert er aus, zack, der nette Punto-Fahrer aus Parchim, Blinker an, voller Stolz und Gottvertrauen in 135 km/h, der Lkw neben ihm fährt auch schon 100 km/h. Breeeeemsen. Tadellos.

Die Abfahrt Talkau gleitet vorbei, und siehe da, schon drängelt er im Rückspiegel, der blaue Passat, den wir bei Reinbek hinter uns gelassen hatten. Seine Lichthupe funktioniert. Der Punto beschleunigt auf 138 km/h.

Der Lkw auf 110. Überhaupt, gibt es hier nicht eine durchgehende, sinnlose Geschwindigkeitsbeschränkung von 100 km, schon kurz seit der Wiedervereinigung, aus womöglich Trittinscher Nachhaltigkeit niemals infrage gestellt? Und kommt da vorne nicht, bei Hagenow, die nächste Baustelle? Das Verkehrsministerium schläft nie, besonders nicht im Sommer. Deutschland hat auf seinen Autobahnen zwei Jahreszeiten. Winter und Baustelle. Die Straßenbauarbeiter auf den Autobahnen - gleichen sie nicht den gefährdeten Murmeltieren? Bei der Ansicht von Ungewohntem, zum Beispiel skandinavischen Wohnwagen, süddeutschen Urlaubern mit Fahrrädern auf dem Autodach und holländischen Familienvans verschwinden sie spurlos unter Hinterlegung von schwerem Gerät im Untergrund. Ein BMW Z8 hat auf sie die gleiche Wirkung. Von Hamburg nach Berlin geht's auch mit 400 PS nicht schneller als im Golf. Der deutsche Stau verkörpert das Godesberger Programm: Chancengleichheit für alle.

Inzwischen werden die Autos in Deutschland trotzdem wieder dicker, länger, stärker. Einige werden auch prachtvoller. Der Z8-Roadster, nur 15 oder 40 Liter Super pro 100 Kilometer, je nach Tempo, der Z8 also spiegelt offensichtlich eine Altersgruppe der BMW-Vorstandsetage wider. Sie müssen so um die 55 bis 60 Jahre alt sein, die Herren Entscheidungsträger in München: Jetzt, da die Gewinne fließen wie nie zuvor, mögen sie sich gesagt haben, bauen wir unseren Jugendtraum, so, wie die Berliner ihr Schloss rekonstruieren wollen. Vielleicht haben die Chefs an ihre wohlhabenden Freunde aus den Golfklubs und höheren Banketagen gedacht: Die können gewiss 235 000 Mark für das kleine Ingenieurskunstwerk aufbringen. Nicht mehr als zehn Luxusuhren. Dass das Auto für den Hersteller einen positiven Deckungsbeitrag erwirtschaftet, ist kaum vorstellbar. BMW zeigt der Welt einfach nur, wie gut es dem Werk geht, statt dem tüchtigen Vorstandsvorsitzenden, wie in den USA üblich, einfach 80 Millionen Mark im Jahr zu überweisen. Das ist Münchner Edelmut.

Wie muskuläre Schwellungen Zurück zu jenem Jugendtraum. Der war aber in nur 252 Exemplaren gebaut worden, der BMW 507, Bj. 1956 bis 1959. Hatte er nicht diese kabeljauartige Schnauze mit ihren geriffelten Lufteinlasskiemen, nie endend gleich dem Jaguar E-Type, dem Hecht ohne Karpfenteich? Alles andere wurde eckig damals, die Häuser, die Radios von Braun, das ganze Land auf Kante und verklinkert.