JAMEEL ist 16 Jahre alt. Designer-T-Shirt, mit Gel geschniegelte Mike-Tyson-Frisur, das neueste Handymodell in der Tasche. Umringt von seinen Freunden, lehnt er lässig am Straßengitter beim pakistanischen Restaurant Shiraz. Er knallt mit seinem Kaugummi zwischen den Zähnen und spuckt auf den Bürgersteig wie der englische Fußball-Popstar David Beckham es zu tun pflegt. Seine Kumpel nennen ihn "Kommandeur Bashid". Geboren ist er in England, seine Eltern sind pakistanische Einwanderer. Bei allem Gehabe ein liebenswerter Bengel, der in seiner Clique augenscheinlich den Anführer spielt.

Was wir hier so tun, wollen Sie wissen? Wir schieben 'ne coole Nummer, Mann.

Wir reißen Miezen auf. We chill out. Wir leben das Leben der Straße. 'n bisschen dies, 'n bisschen das. Richtige Jobs gibt's hier ja nicht. Für die, die's gibt, musst du dir 'n Arsch aufreißen. Da schieben wir lieber 'n coole Nummer. Und dann reißen wir das System auf, Mann!

Der Schauplatz dieses Selbstporträts: die Oak Lane in Bradford, wo im Sommer jene Krawalle tobten, die die nordenglische Provinz-Großstadt in die Nachrichten katapultierten. Von "Rassenunruhen" hörte die Welt, bei dem sich Pakistani, Weiße und Polizei einen Dreikampf auf der Straße lieferten.

Hügelan, die Oak Lane hinauf, ragt ein großartiges viktorianisches Fabrikgebäude mit einem venezianischen Turm in den wolkenzerrissenen Himmel.

Um 1900 waren die Mannigham Mills berühmt für ihre Samt- und Seidenwaren

Bradford galt als freundliche Stadt mit schmucken Häusern und von Gärten umgebenen Villen. Heute flattern in dem riesigen Fabrikhof nur noch Tauben.