Zuerst brachen sie ihr das Genick. Dann schnitten sie ihr den Bauch auf, vom Nabel bis unters Brustbein, und holten die Organe heraus. Sie entfernten die Zunge, schabten die Augen aus den Höhlen. Sie bohrten ein Loch durch den Kiefer und den Gaumen, so kamen sie an das Gehirn. Sie füllten sie mit einem Pulver, umwickelten sie mit Stoffband, beschmierten sie mit Wachs.

Es war Mord, sagt der Polizist Faruq Awan.

Sie klebten ihr eine Platte aus Goldblech auf die Brust, am Schädel befestigten sie eine Krone. Sie steckten sie in einen Panzer aus erhitztem, gepresstem Glas. Sie packten sie in eine Holzkiste, meißelten alte Schriftzeichen hinein und verschlossen die Kiste mit Holzzapfen. Der Sarg sah aus, als wäre die Frau darin seit ein paar tausend Jahren tot.

Es war Mord, sagt Faruq Awan. Das ist seine Theorie. Ein Menschenleben zählt nicht viel in Pakistan.

Die Polizeistation ist eine Baracke im Zentrum Karatschis, das in der Mittagshitze bäckt. Awan sitzt in einem Zimmerchen, vor sich eine Zeitung, ein Telefon und zwei Nokia-Handys. Er ist Chef einer Anti-Terror-Einheit, die auch in Schwerverbrechen ermittelt, er hat fünf Leute unter sich. Ein Videoschirm zeigt den Flur vor seiner Tür, für den Fall, dass die Terroristen kommen. In zwei Tagen hat der Präsident Pervez Musharraf Lokalwahlen angesetzt, denen viele Bürger nicht trauen. Der Präsident ist ein General, der sich an die Macht geputscht hat. In drei Tagen werden die Zeitungen zehn Tote melden, die in Karatschi am Wahltag durch Schüsse und Bomben sterben.

Faruq Awan hat ein großes Handtuch über seinen schweren Ledersessel gelegt, der Deckenventilator ist so machtlos gegen die Hitze wie Awan gegen die Terroristen. Die sechs Sterne auf seinen Schulterstücken glänzen frisch poliert, an der Wand hängen Tapferkeitsurkunden.

Awan spricht von Gewalt, von Tod. Ein stolzes Lächeln klebt in seinem Gesicht.