Krieg vorbei, Interesse weg. Das Friedensabkommen vom Karfreitag 1998 schien das Ende des langen und blutigen Konflikts um Nordirland zu besiegeln.

Spätestens seitdem ist die IRA ein erledigtes Thema für die Publikumsverlage.

Jetzt krachen wieder Bomben in London. Die Dissidentengruppe Real IRA fängt an, die Geschichte zu wiederholen. Wo sind sie jetzt, die Bücher, die die Hintergründe des irischen Terrorismus beleuchten? Der deutsche Markt bietet ganze zwei aktuelle Werke. 1999 legte Peter Neumann mit IRA: Langer Weg zum Frieden eine allgemein verständliche Geschichte der Provisional IRA vor (Rotbuch Verlag, Hamburg 1999 234 S., 28,- DM). Aus der englischsprachigen Quellenvielfalt ist hier das Wichtigste über die Entstehung, die Strategie und die Persönlichkeiten hinter der republikanischen Bewegung bis zum Belfaster Agreement gebündelt. Wo Neumann aufhört, machen Jochen Bittner und Christian Knoll weiter: Ein unperfekter Frieden (Die IRA auf dem Weg vom Mythos zur Mafia R. G. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2000 298 S., 29,80 DM). Durch Schilderungen von Zeitzeugen und indem auch die Hardliner unter den militanten Republikanern zu Wort kommen, stärken die Autoren ihre skeptische Sicht auf ein vermeintliches Ende des Terrors. Nicht mehr zu Wort kommen konnte hier Eamon Collins, denn der Ex-IRA-Mann und Enthüllungsautor fiel 1999 einem Mordanschlag zum Opfer. Seine autobiografischen Innenansichten der IRA waren mit schuld an seinem Tod: Blinder Haß (S.

Fischer Verlag Frankfurt/Main 1997 507 S., 44,- DM nur noch antiquarisch erhältlich).

Das Standardwerk zum Thema hat der Ire Tim Pat Coogan verfasst: The IRA (Harper Collins, Glasgow 819 S., 9,99 Pfund). Diesen Wälzer finden jedoch selbst IRA-Mitglieder allzu detailverliebt. Erschreckend authentisch dagegen ist die brillante investigative Dokumentation des BBC-Korrespondenten Peter Taylor: Provos (The IRA and Sinn Féin Bloomsbury, London 1998 384 S., 7,99 Pfund). Worin allerdings das romantische Moment des Guerillakrieges zwischen Londonderry und South Armagh besteht, hat Kevin Toolis mit einer Reportage zu erkunden versucht. Feinfühlig nähert sich Rebel Hearts (Journeys within the IRA's soul Picador, London 2000 416 S., 7.99 Pfund) einem heiklen Aspekt des Themas. Als wichtigste Empfehlung unter den belletristischen Beschreibungsversuchen muss genannt werden Robert McLiam Wilson: Eureka Street, Belfast (S. Fischer, Frankfurt a. M. 1999 430 S., 19,90 DM). Der preisgekrönte Roman erzählt das Leben einer jungen Clique zwischen Bomben, Suff und wirtschaftlicher Depression als große Liebesgeschichte. Mit dem Versuch hingegen, die Geschichte zweier durch den Bürgerkrieg entfremdeter Freunde mit einer Liebschaft in Belfast und dann auch noch mit dem Mord an einem Stasi-Agenten zu einem zeitkritischen Politkrimi für das deutsche Publikum zu verquicken, scheitert Michael Müller in Belfast Blues (Rowohlt, Berlin 2000 523 S., 19,90 DM).