Das Etikett "ruhige Hand" wird an dem Sommerloch-Reisenden Schröder so haften bleiben wie "Aussitzer" an Kohl. Sich darüber zu mokieren wäre Ironie vom Gröbsten. Denn alle moderne Politik hat mit "Aussitzen" zu tun. Keinem Kanzler, keinem Präsidenten ist es je gelungen, das Auf und Ab der Konjunktur abzuschaffen. Kollektive Aufwallungen kommen und gehen - zuletzt BSE und MKS

ihre hysterische Hypertrophie widerspiegelt offenbar ein Grundbedürfnis nach Aufregung in einer langweiligen, vor allem risikoarmen Welt. Auf der gesegneten Insel zwischen Berlin und Berkeley jedenfalls sind Krieg, Seuche und Massenverelendung nicht mehr Teil unseres Kalküls. Wo das Brot gesichert ist, werden Spiele (die schon im alten Rom mit Angst und Schrecken faszinierten) immer wichtiger.

Mokieren wir uns also nicht über Old Steadyhand im Kanzleramt. Ist er nicht auf den Rängen (sprich: von den Medien) vor Jahresfrist noch bejubelt worden, nachdem er mit scheinbar eiskalter Ruhe das Tal der verlorenen Landtagswahlen durchschritten hatte, nachdem er das Sparpaket geschnürt, die Steuer- und Rentenreform angepackt hatte? Ein bisschen Glück, das angeblich nur den Tüchtigen winke, gehörte auch dazu. Sein Quälgeist, der rot gefärbte Populist von der Saar, verlor die Nerven und schmiss hin. Der Große Schwarze aus Oggersheim, aus dessen Schatten Schröder sich bis dato nie befreien konnte, ging unter der Last der Bimbes-Affäre in die Knie. Und die Konjunktur sprang an.

Doch Gerd im Glück, das ist in diesem Sommer vorbei. Er ist nervös geworden.

Noch im März versuchte er, dem Volk einzureden, dass die Flut der verhängnisvollen Konjunkturdaten aus Amerika und Japan ausgerechnet vor den deutschen Deichen Halt machen würde: Die Verhältnisse, so Schröder, seien nicht übertragbar. Nun ist just Amerika schuld: Er könne doch nichts dafür, "dass wir von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den USA stärker betroffen sind als alle anderen" in Euroland. In diesem Sommer stieg die Arbeitslosigkeit wieder zum ersten Mal seit 1997, die Neuverschuldung wächst, an der Börse wildern die Bären.

Derweil steckt "Kanzler Ruhighand" wirtschaftspolitisch in der doppelten Zwangsjacke: Was ohnehin nicht funktioniert, ist auch noch verboten. Also: Ein wahlgerechtes Konjunkturfeuerchen mit staatlichen Mehrausgaben zu entfachen bringt nichts mehr

das lehrt die Erfahrung der letzten 25 Jahre.