Es klang nach einer Platitude, was George W. Bush der kleinen Runde aus Journalisten beim G-8-Gipfel in Genua zum Wechselkurs des Dollar von sich gab: "Wir kennen sowohl die Vorteile als auch die Nachteile einer starken Währung, und deshalb lassen wir den Markt über den Wert des Dollar entscheiden." Die internationale Finanzwelt interpretierte die Äußerung des US-Präsidenten als einen Hinweis darauf, dass die Regierung die seit Jahren gültige Politik des starken Dollar jetzt infrage stelle. Die Devisenmärkte reagierten - der Wert der Währung rutschte ab.

US-Finanzminister Paul O'Neill bemühte sich am folgenden Tag um Schadensbegrenzung. Die Politik des harten Dollar stehe nicht zur Diskussion.

Sollte er sie eines Tages dennoch aufgeben, wolle er "das New Yorker Yankee-Stadion mieten und dort eine Blaskapelle spielen" lassen, versicherte O'Neill. Doch trotz allen Abwiegelns - die Botschaft ist deutlich: Die US-Regierung wünscht sich einen schwächeren Dollar, die Wechselkurse zum Euro und zum Yen sollen fallen.

Die Mehrheit der amerikanischen Marktbeobachter ist überzeugt, dass der Dollar um 20 bis 30 Prozent überbewertet ist. Einige, wie der Chefvolkswirt der Investmentbank Morgan Stanley, Stephen Roach, sprechen sogar von einer Dollarblase. Sollte sie platzen und der Kurs abstürzen, droht dem amerikanischen Aktien- und Anleihenmarkt eine handfeste Krise, warnt William Dudley, Stratege der Investmentbank Goldman Sachs.

Denn bislang hielt der starke Dollar die Inflation niedrig und machte Investitionen von Ausländern in US-Unternehmen attraktiv. Anleger außerhalb der Vereinigen Staaten profitierten nicht nur von steigenden Aktienkursen, sondern auch vom hohen Dollar.

Präsident Bush und Minister O'Neill wollen den Markt nicht zu sehr verunsichern. O'Neill mag öffentlich nicht einmal zugeben, dass die amerikanische Währung überbewertet ist. "Was wissen Sie, was der Markt nicht weiß?", fragt er jeden, der ihn auf dieses Thema anspricht. US-Starökonom Rudi Dornbusch traut dem Finanzminister gar keine besondere Kompetenz in Sachen Dollar zu. O'Neill sei einer, "der zu viel über Wettbewerb nachdenkt und zu wenig über Kapitalmärkte weiß", schrieb Dornbusch in der Welt. Die USA hätten die wirtschaftliche Talfahrt hinter sich, der Dollar werde stark bleiben.

Selbst Beobachter wie Volkswirt Dudley verlangen von Bush und O'Neill nicht, die Politik des starken Dollar durch eine Politik des schwachen Dollar zu ersetzen. "Es macht nur keinen Sinn, den Dollar über seinen langfristig nachhaltigen Wert hoch zu reden", sagt Dudley. Die Korrektur an den Märkten falle dann später schmerzhafter aus als nötig.