Kapstadt

Durban, Indischer Ozean, eine Weltkonferenz, Delegationen aus 200 Staaten und von 3000 Organisationen, ein Thema von weltumspannender Brisanz: Rassismus, Xenophobie, die allerorten wuchernde Intoleranz. Wer wollte, wer könnte eine solche Veranstaltung boykottieren? Die Vereinigten Staaten, Mister No aus Washington, der Rest der Welt ist es gewohnt.

Man gedenke, nur dann zur UN-Konferenz Ende August nach Durban zu reisen, wenn einige Passagen der Agenda gestrichen oder scharf redigiert würden, drohen die Amerikaner. So führen sich plumpe, selbstsüchtige Kinder auf, schallt es ihnen aus dem Gastgeberland Südafrika entgegen. Hier vergleicht man sie mit Spielverderbern, die aufhören, wenn nicht nach ihren Regeln gespielt wird. Amerika, die infantile, egomanische Supermacht, unfähig zur globalen Kooperation? Ganz so simpel ist es nicht.

Denn die Vereinigten Staaten und mit ihnen Israel verwahren sich zu Recht gegen Formulierungen, in denen der Holocaust gleichgesetzt wird mit "der ethnischen Säuberung der arabischen Bevölkerung".

Zionismus = Rassismus, eine Gleichung aus der Asservatenkammer des Kalten Krieges, 1975 in der UN-Resolution 3379 verewigt, bis heute von arabischen Staaten hochgehalten, um Israel an den Pranger zu stellen - als ob es derzeit nur diesen einen Bösewicht auf dem Planeten gäbe. Sollen komplexe Probleme wie der Nahostkonflikt auf einer Anti-Rassismus-Tagung verhandelt werden? Und wer wollte anfangen, im Glashaus von Durban mit Steinen zu schmeißen?

Ohnehin stellt sich die Frage, ob ein Mammuttreffen mit derart universellem Anspruch sich nicht zwangsläufig in eine Schwatzbude verwandeln muss, in einen babylonischen Anklagezirkus, in dem die Schlechtigkeit des rassistischen Menschen und der fremdenfeindlichen Regime in tausend Resolutionen festgestellt wird, ohne je Folgen zu zeitigen?

Doch manchmal geht es eben nur ums Reden und Aussprechen, um das, was die Afrikaner Palaver nennen: Es erleichtert die Opfer, wenn die Welt von dem ihnen zugefügten Unrecht weiß. Zum Beispiel vom Sklavenhandel, einem der schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Allein, auch dieses dunkle Kapitel würden Amerika und Europas Exkolonialmächte gern verschweigen, schließlich verlangt Afrika Reparationen: 777 Billionen Dollar. Abgesehen davon, dass die reichen Staaten weder willens noch fähig sind, eine solche Summe zu berappen - wer sollte der Empfänger sein? Einzelpersonen, die ihr Leid per Ahnentafel begründen? Vor 200 Jahren geplünderte Dörfer? Die korrupten Regierungen unserer Tage?