Jean Malaurie mag ein guter Polarforscher sein. Geschichte und Kulturgeschichte betreffend, geht aber der Thule-Mythos ein bisschen mit ihm durch. Rudolf Steiner war nie Mitglied der Thule-Gesellschaft. Er gehörte zu den großen Feindbildern dieser Leute und der übrigen Völkischen. Steiner war für sie "Jude", "Kommunist" und "im Sold der Entente-Freimaurerei".

Steiner kämpfte für den multiethnischen Staat (zum Beispiel in der Oberschlesien-Abstimmung), lehnte den Nationalstaat ab und organisierte in Württemberg die Sozialisierung der gesamten Industrie unter der Führung von Räten. (Das Vorhaben scheiterte an den sozialistischen Parteileitungen und ihrer Angst vor autonomer Arbeitermacht.)

Entsprechend war die Reaktion der Thule-Leute und ihres Umkreises: Die Völkischen machten es Steiner ab 1923 durch Saalschlachten, Angriffsaufrufe et cetera unmöglich, noch einmal in Deutschland öffentlich zu sprechen.

Martin Barkhoff, Berlin Anthroposophische Gesellschaft e.V.